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Ein Retter von der traurigen GestaltEine Zeitlang galt Richard Jewell als Attentäter von Atlanta. Jetzt hat sich seine Unschuld erwiesen. Doch sein Ruf ist zerstörtEigentlich ging für Richard Jewell am Abend des 27. Juli ein Traum in Erfüllung. Nach einer erfolglosen Karriere als Hilfssheriff und Sicherheitsbeamter konnte er sich endlich in der ersehnten Rolle als uniformierter Lebensretter profilieren. Im olympischen Centennial Park in Atlanta hatte Jewell einen grünen Sack mit einer Rohrbombe entdeckt. Er schlug sofort Alarm. Kurz darauf explodierte die Bombe, tötete zwei Personen und verletzte 111 andere. Mit seiner Warnung hat Jewell höchstwahrscheinlich Menschenleben gerettet. Doch sein Alarm stieß auf das Mißtrauen der amerikanischen Polizei. Hatte der 33jährige die Bombe selbst gelegt, um sich hinterher zum Lebensretter aufzuschwingen? Jewell mutierte vom Helden zum Hauptverdächtigen. Sein Leben wurde zur Hölle auf Erden - und zum Top-Thema für die Medien. Inzwischen aber gilt Jewells Unschuld als erwiesen. Vergangene Woche gab das FBI klammheimlich Jewells mit großem Medienrummel beschlagnahmtes Hab und Gut zurück. Jewell wartet seither auf eine förmliche Entschuldigung. Seinen Traum von einer Karriere in Uniform sieht er indes unwiderruflich zerstört. Seine Freunde in der Security- und Überwachungsszene, klagt er, würden nicht mehr mit ihm reden wollen. Wie konnte das passieren? Das FBI hatte Jewell per "Profiling" ins Visier genommen. Experten nutzen für diese neue Technik eine Mischung aus Erfahrung, Intuition und Logik, um ein psychologisches Profil des gesuchten Verbrechers zu erstellen. "Profiling" ist in den USA momentan im Trend. Auf Jewell paßte das Profil des "einsamen Bombers mit Heldenkomplex": Polizeifan mit mißglückter Karriere im Sicherheitsbereich; Hobbyjäger und Schußwaffenbesitzer; Junggeselle und, last but not least, Muttersöhnchen, das bei "Mom" Barbara zu Hause wohnt. Bingo! Nur drei Tage nach dem Bombenattentat durchsuchte das FBI das Appartement von Jewell und seiner Mutter, seine kleine Hütte im Norden von Georgia und eine weitere Datscha. Die Beamten sicherten Haarproben, Fingerabdrücke, 14 Gewehre, diverse Pistolen, Jewells Sammlung von Disney-Videos und die Tupperware von Mom Barbara. Auf seinen Autofahrten hatte Jewell fortan drei bis sechs Zivilwagen im Schlepptau. Unzählige Kamera-Crews übertrugen die Jagd. Doch der Verdacht ließ sich nicht erhärten. Zumindest ein paar Medien, schuldig der Komplizenschaft bei der Aktion, geben sich reumütig. Ein Radiosender in Atlanta rüstete die Jewells inzwischen mit neuer Tupperware aus. +++ [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 17.10.1996]
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