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Designerhosen mit Geheimfach fürs DrogenbesteckUS-Regisseur Paul Morrissey dreht eine Satire über einen deutschen Modemacher, der an Wolfgang Joop erinnertBislang präsentierte Regisseur Paul Morrissey mit Vorliebe Blut, Sex und Eingeweide in seinen inzwischen zu Klassikern gewordenen Andy-Warhol-Filmen wie "Heat", "Flesh" und "Frankenstein". Nach zehnjähriger Drehpause plant der inzwischen 58jährige New Yorker jetzt sein Comeback - mit einer subversiven Satire über einen deutschen Modemacher, der stark an Wolfgang Joop erinnert. Im Mai beginnt Morrissey, der zu Warhols legendärer New Yorker "Factory" gehörte, in Berlin mit den Dreharbeiten für den Film "The House of Klang" ("Das Modehaus Klang"). Morrissey erzählt in dem Streifen die skrupellosen Marketingmethoden des Modedesigners Helmut Klang. Skrupelloses Marketing Unzufrieden mit dem schleppenden Absatz seiner Handtaschenkollektion, entwickelt Klang - im Film dargestellt von Udo Kier - eine neue Werbestrategie für seine Entwürfe: "Präsentiere Kinder, zeig' sie halbnackt und gib ihnen das Aussehen von Heroinsüchtigen." Klangs neue Kollektion von Hosen mit Geheimfächern für Springmesser und Drogenbesteck findet reißenden Absatz unter den deutschen Teenagern. "Mehr als alle anderen Europäer imitieren die Deutschen jeden neuen Konsumtrend aus den USA", sagt Morrissey auf die Frage, warum er ausgerechnet Berlin und Deutschland zum Schauplatz seines Films gemacht hat. Amerikanische Modemacher wie Calvin Klein hätten damit begonnen, minderjährig aussehende Models im Heroin-Junkie-Look zu präsentieren. Doch deutsche Magazine, namentlich die Zeitschrift "Max", hätten diesen Trend mit Artikeln und Fotos noch auf groteske Weise fortentwickelt. Zur Bestätigung blättert der inzwischen ergraute Warhol-Kollaborateur während des Interviews in einem Greenwich-Village-Cafe in einem dicken Stapel von ausgeschnittenen Anzeigen und Modereportagen. Die meisten stammen aus "Max". Dürre, minderjährig aussehende Models, manche von ihnen mit Nadeleinstichen an den Armen, werben für Designerunterhosen. Morrissey: "Solche Bilder tolerieren nur die Deutschen oder vielleicht gerade noch die Engländer. In Amerika wäre das unmöglich. Das ist in meinen Augen eine besonders extreme Form von Konsumwahn." Doch die deutsche Handlung, der deutsche Drehort und die vorwiegend deutsche Film-Crew helfen auch dabei, deutsche Filmfördergelder zu erhalten - Gewähr für größere künstlerische Freiheit als bei einer Hollywood-Produktion, hofft der Regisseur. "House of Klang" hat einen Etat von umgerechnet viereinhalb Millionen Mark. Gedreht wird der Film ausschließlich mit Handkameras. Diese Technik soll an den Stil der von Morrissey verachteten Mode- und Musikvideos ("alles Lärm") erinnern. Gesprochen wird Englisch - trotz der vielen deutschen Schauspieler auf dem Set. "Dies ist vor allem eine Produktion für das amerikanische Kinopublikum, aber ich setze natürlich auch auf den deutschen Markt", sagt Morrissey. Kartoffelsuppe Am liebsten würde Morrissey den Comeback-Film nach seinem Frankenstein-Werk von 1974 benennen. In dem Warhol-Klassiker "Flesh for Frankenstein" spielte Udo Kier einen verrückten Baron, der aus geraubten Körperteilen Zombies baut. In Modemachern und Redakteuren, die mit der Verherrlichung von Drogen und Gewalt ihre Umsätze steigern, sieht Morrissey die Frankensteine der modernen Konsumgesellschaft. Der Höhepunkt seines Films indes erinnert eher an die italienische Firma Bennetton als an den deutschen Wolfgang Joop: Klang veranstaltet eine Pressekonferenz vor der Kulisse eines bosnischen Konzentrationslagers. Zugelassen sind ausschließlich Kriegsberichterstatter und Polizeireporter. Minderjährige Models präsentieren die neueste Kollektion und lassen sich dabei erschießen oder vergewaltigen. Die Journalisten müssen Ponchos tragen und warten stundenlang auf einen Teller Kartoffelsuppe. +++ [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 21.02.1997]
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