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BerlinOnline


Datum:   03.03.1997
Ressort:   Nachrichten
Autor:   Marc Fest, Miami

Ein Überraschungserfolg aus der Mottenkiste

Der Science-fiction-Klassiker "Star Wars" ist in den US-Kinos wiederauferstanden und bricht alle Rekorde

So ändern sich die Zeiten: 1977, in der Originalversion von "Krieg der Sterne" ("Star Wars"), durfte Han Solo alias Harrison Ford seinem Gläubiger, einem intelligenzbegabten Ameisenbären namens Greedo, noch eine Kugel durch den Kopf schießen. Einfach so. In der jetzt in US-Kinos laufenden, leicht modifizierten "Special Edition" des Science-fiction-Klassikers läßt Regisseur George Lucas den Außerirdischen zuerst schießen - damit Han Solo in einem Akt der politisch korrekten Selbstverteidigung zurückschießen kann.

Doch nur hartgesottene "Star Wars"-Puristen quittieren diese moralische Feinjustierung mit Buh-Rufen. Seit seiner Wiederauferstehung am 31. Januar hat das aus dem Mottenschrank geholte Epos um Luke Skywalker, die Prinzessin Leia, Han Solo und den beiden Robotern R2D2 und C3PO fast hundert Millionen Dollar eingenommen. Auch die am 21. Februar angelaufene zweite Folge der Trilogie ("Das Imperium schlägt zurück") übertrifft an den Kinokassen alle Konkurrenten. Mit 421,3 Millionen Dollar Gesamteinnahmen seit seiner Entstehung hat "Krieg der Sterne" inzwischen Steven Spielbergs "E.T." vom Thron des gewinnträchtigsten Kinostreifens aller Zeiten gestoßen. ET-Regisseur Spielberg gratulierte seinem Kollegen Lucas deswegen unlängst mit einer Anzeige im Filmfachblatt "Daily Variety". Darin bekommt Roboter R2D2 eine Krone auf den Kopf gesetzt - von ET höchst persönlich.

Wie schafft es ein 20 Jahre alter Science-fiction-Streifen, aktuelle Megaproduktionen wie das Vulkan-Inferno "Dantes Peak" oder den Clint-Eastwood-Thriller "Absolute Power" an den US-Kinokassen auszustechen? Viele Amerikaner erinnern sich an "Star Wars" so intensiv wie an ihren ersten Kuß. Die "Special Edition" verspricht ihnen ein Wiedererleben dieses Schlüsselereignisses - und das sogar digital verstärkt. Abgesehen vom neuen THX-Klang und aufgedrehter Lautstärke gibt es beispielsweise viereinhalb Minuten neueingebaute Spezialeffekte, mit denen George Lucas dem Film neuen Glanz verleiht: computergenerierte Monsterchen tummeln sich in vormals starren Kulissen, zusätzliche Raumschiffe beleben das Laser-Gewitter der Schlachtszenen und Luke Skywalkers "Land Speeder" scheint nun wirklich in der Luft und nicht mehr auf einem Vaseline-Kloß zu schweben.

Doch vor allem reisen die Amerikaner per "Star Wars" zurück in eine bessere Zukunft. Vor 20 Jahren brannte sich der Film mit seinen revolutionären Trickeffekten, den rasanten Action-Szenen und der mythisch angelegten Handlung in das kollektive Gedächtnis der US-Bürger. "Durch Star Wars wurde das Kino für die Jugendlichen wieder zu einem Treffpunkt, wo man sein mußte, um kulturell mitreden zu können", erklärt Professor Marsha Kinder von der "USC School of Film and Television". Nach den Problemfilmen der 60er und 70er Jahre erfüllte das Science-fiction-Märchen eine verbreitete Sehnsucht nach einer Welt, in der Gut und Böse klar getrennt waren.

Nicht zufällig dämonisierte Ronald Reagan die Sowjetunion wenige Jahre später mit der "Star Wars"-Metapher des "Bösen Imperiums" ("Evil Empire"). Das von ihm geplante Raketenabwehrsystem im Weltall ("SDI") bekam von der Öffentlichkeit ebenfalls den Spitznamen "Star Wars" verpaßt. Millionen von Luke-Skywalker-Puppen, Laserschwertmodellen und Darth-Vader-Masken hielten in den Jahren später nicht nur die Erinnerung an den Film lebendig, sondern schafften eine eigenständige Industrie: das Film-Merchandising. Der Verkauf von "Star Wars"-Zubehör erzielte in zwei Jahrzehnten Einnahmen von über vier Milliarden Dollar - mehr als das Dreifache der Kinoerlöse der Trilogie.

Jetzt hat der unerwartete Erfolg der "Star Wars"-Auferstehung einen weiteren Trend ausgelöst: das "re-release"-Fieber (Neuausgabenfieber). Bereits im März wird der erste Teil von Francis Ford Coppolas legendärer Mafia-Trilogie "Der Pate" erneut in die amerikanischen Kinos kommen. Und Steven Spielberg bereitet ein "re-release" von "E.T." vor. +++

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