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In Shorts auf dem Flur des PräsidentenBei Bill Clinton zu übernachten hat nicht immer was mit Schlafen zu tunEigentlich war David Leopoulos nur auf der Suche nach einer Banane. Der Hausherr, ein Jugendfreund, hatte ihm die Benutzung seiner Küche freigestellt. Für den kurzen Weg über die Flure hatte sich Leopoulos nichts übergeworfen. Und so kam es, daß er in dieser Nacht plötzlich vor dem Hausherrn stand, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten nämlich, und noch dazu dessen Vize sowie einer ganzen Riege Senatoren. In nichts als abgerissenen Shorts. Bill Clinton hat, wie berichtet, einen neuen Skandal am Hals. Er soll das Schlafzimmer des legendären Präsidenten Abraham Lincoln als Gästezimmer benutzt haben. Dagegen wäre nichts einzuwenden. Doch als Gegenleistung soll Clinton von einigen der insgesamt 938 Gäste seit seinem Amtsantritt Spenden für die demokratische Partei kassiert haben. Die neuerliche Spendenaffäre bewegt die Gemüter. Mindestens ebenso aufregend finden viele US-Amerikaner jedoch die Frage: Wie ist es denn so, beim Präsidenten zu übernachten? Kein Wunder, daß die "New York Times" jetzt nicht nur die Antwort gab, sondern diese sogar der Titelseite für würdig erachtete. Und so erfuhr die ganze Nation vom peinlichen Erlebnis des David Leopoulos. Es war nicht die einzige Begegnung der besonderen Art. Der 93jährige Vater von Erziehungsminister Richard Riley berichtete dem Präsidenten, als dieser ihn am Morgen danach traf, er habe sich die ganze Nacht mit Abraham Lincoln persönlich unterhalten. Offenbar raubt nicht nur der Geist des toten Politikers manchem Gast im Weißen Haus die Nachtruhe. Ziemlich lebendig war zum Beispiel Bill Clinton höchstselbst, als er - chronisch schlaflos und aufgedreht - bei Jugendfreund Leopoulos und dessen Begleiterin Carolyn Stanley erschien. Es war schon spät, doch der Präsident, der eben vor dem Kongreß eine Rede zur Gesundheitsreform gehalten hatte, war nicht zu bremsen. "Er redete in einem fort weiter über die Gesundheitsreform. Das ging bis vier Uhr morgens. Carolyn saß da in ihrem Pyjama, ich in meinen Shorts - und der Präsident in seinem Anzug." Nur wenn man darauf wartet, kann es sein, daß keiner kommt - weder Lincoln noch Clinton: Elizabeth Tilberis, Chefredakteurin der Zeitschrift "Harper's Bazaar", bekam eine Einladung ins Weiße Haus. Als sie eintraf, waren die Clintons aus. Sie ging zu Bett, doch ein Hausangestellter ließ wissen, das Präsidentenpaar könnte später noch auf einen Sprung hereinschauen und gute Nacht sagen. "Nun, ich lag stundenlang im Bett, ziemlich aufgeregt - falls sie kämen. Doch sie kamen nicht. Am nächsten Morgen hatte ich total rote Augen, weil ich mein Make-up draufgelassen hatte." Von einem Hotel unterscheidet sich das Weiße Haus in mehrfacher Hinsicht: Zur Begrüßung gibt es - anders als in vielen US-Herbergen - keine Pfefferminz-Plätzchen auf dem Kopfkissen. Auch eine Minibar fehlt in Lincoln's Schlafzimmer. Dafür übertrifft das "White House" dank einer Kegelbahn und einem hauseigenen Kino (mit Popcorn-Maschine) sogar das angesehene Ritz-Hotel. Geraldine Ferraro, Ex-Anwärterin auf die Vize-Präsidentschaft, erlebte noch einen weiteren Unterschied. Während sie mit dem Präsidentenpaar einen späten Snack einnahm, erschien Tochter Chelsea im Nachthemd, um den Eltern eine gute Nacht zu wünschen. "Es ist nicht wie in einem Hotel. Es ist, als schlafe man einfach bei jemandem zu Hause", befand Ferraro. "Wenn auch bei jemandem mit ein bißchen Geld." +++ [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 05.03.1997]
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