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BerlinOnline


Datum:   21.03.1997
Ressort:   Nachrichten
Autor:   Marc Fest, Miami

Becker sucht weiter ein neues Zuhause

Tennisstar will doch nicht in Florida wohnen

"Man hat mir meine Heimat genommen", klagte Boris Becker nach der Durchsuchung seiner Münchener Wohnung im Dezember. Jetzt, so schien es, hat er eine neue Heimat. Sicherer, schöner und teurer als alles, was sich Normalsterbliche erträumen können: "Fisher Island", eine 87 Hektar große Insel am Südende von Miami Beach.

Doch gestern plötzlich das Dementi: Becker weist alle Spekulationen über seinen endgültigen Abschied aus Deutschland zurück. Er befinde sich zur Zeit nur deshalb in Florida, weil er Ende der Woche am ATP-Turnier in Key Biscayne teilnehmen wolle.

"Vermutungen, ich hätte Deutschland den Rücken gekehrt, sind falsch. Meine Frau und ich haben eine solche Entscheidung bis heute nicht getroffen", heißt es in der Erklärung, die von Beckers Manager Axel Meyer-Wölden veröffentlicht wurde. "Schon gar nicht werden wir einen derart wichtigen Entschluß vom Verhalten der Finanzverwaltung, deren bisheriges Vorgehen ich mißbillige, abhängig machen. Ich habe mir in steuerlicher Sicht nichts vorzuwerfen und bin sicher, daß dies auch die Finanzverwaltung erkennen wird."

Der wahre Grund? Oder fühlt sich Becker in Florida doch nicht so wohl wie ursprünglich gedacht?

Lokaltermin. Wachen in weißen Uniformen kontrollieren den Fähranleger nach Fisher Island. Nur Bewohner, Mitglieder des Golfclubs und Gäste haben Zutritt zu der Insel. Und natürlich die über tausend Service-Angestellten sowie die Armee von 60 Sicherheitsbeamten, die das Fort der Superreichen schützen. Arnold Schwarzenegger, Demi Moore, Beckers Kollege Jim Courier, Sophia Loren und Luciano Pavarotti zählen zu Boris Beckers neuen Nachbarn.

"Oceanside 7711-7795" steht auf dem Schild vor einem sechsstöckigen Gebäude am Südost-Ende der Insel. Heller Backstein, rote Ziegeldächer. Im Innenhof plätschert ein Brunnen. Das neue Heim von Boris, Babs und Noah befindet sich auf der vierten Etage. Fünf Bäder, vier Schlafzimmer, ein Fitneßraum. Und dazu noch ein grandioser Blick auf den Atlantischen Ozean. 3,16 Millionen Dollar hat Boris Becker für diesen Traum bezahlt.

Letzte Station der Erkundungstour: die 18 Tennisplätze im Herzen der Insel. Und tatsächlich: Auf einem der Plätze steht Boris Becker, trainiert mit drei Tennispartnern. Ohne Bodyguards. Und plötzlich geschieht, was auf der Prominenteninsel Fisher Island eigentlich nicht vorzukommen hat: Zwei Männer und zwei Frauen bleiben stehen und pressen ihre Nasen, entgegen aller Inselgepflogenheiten, fasziniert durch den Drahtzaun und starren auf Boris Becker. Der bemerkt die Menschenansammlung und spricht sichtlich angespannt mit seinen Begleitern. Hastig zieht er sich sein T-Shirt an. "Darf ich Sie fotografieren", fragt da einer der Zuschauer auf Englisch. Boris Becker dreht sich um und antwortet mit einem ärgerlichen: "No."

Keine Ruhe, nirgends. +++

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