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Frau am Steuer eines Space ShuttlesSusan Still ist erst die zweite Amerikanerin, die als Co-Pilotin eine Raumfähre lenkt"Frau am Steuer" ist zwar ein dummer Machospruch, aber Susan Still läßt ihn sich gern gefallen. Wenn sich die 35jährige Amerikanerin morgen hinter das "Steuer" des Space Shuttles "Columbia" setzt, kontrolliert sie 2 000 Tonnen Stahl, die sich auf einer gewaltigen Flammenexplosion in nur achteinhalb Sekunden 296 Kilometer hoch ins All wuchten. Der ursprünglich für heute vorgesehene Start wurde um einen Tag verschoben. Nasa-Techniker wollen die Zeit nutzen, um Kühlleitungen in der Ladebucht besser gegen Kälte zu isolieren. Frauen im Space Shuttle sind schon fast Routine - aber eben nur als wissenschaftliche Begleiterinnen, im Nasa-Englisch auch "Mission Experts" genannt. Susan Still, die morgen ihren ersten Weltraumflug absolvieren wird, ist dagegen mit Herz und Seele Pilotin - und erst die zweite Frau, die in dieser Funktion im Shuttle mitfliegt. Daß sie, anders als die diversen weiblichen "Mission Experts" vor ihr, keinen Doktortitel trägt, macht ihr da wenig aus. Denn Stills Fliegerkarriere kann sich sehen lassen: 2 000 Flugstunden in über 30 verschiedenen Flugzeugtypen seit 1985. Von ihren drei militärischen Verdienstorden ganz zu schweigen. Frauen, das verrät jede Versicherungsstatistik, bleiben am Steuer in Streßsituationen gelassener als ihre männlichen Artgenossen und verursachen im Straßenverkehr daher weniger Unfälle - eine Qualität, die bei dem 83. Space-Shuttle-Start wieder besonders gefragt ist. Denn während die Kabine des Raumgleiters dröhnt und schüttelt, als ob unter ihr ein Vulkan ausbräche, müssen Pilot und Kommandant beim Start die Übersicht über Hunderte von Instrumenten und Kontrolleuchten bewahren, um bei einem Fehler sekundenschnell die womöglich lebensrettenden Handgriffe auszuführen. Der Pilot (oder die Pilotin) an Bord eines Space Shuttles übernimmt dabei, anders als der Titel vermuten läßt, eher die Funktion eines Ko-Piloten. Gesteuert wird das Raumschiff von dem "Commander" - bei allen 82 bisherigen Shuttle-Expeditionen ins Weltall bisher immer ein Mann. Doch der wirkliche Pilot an Bord des Raumgleiters ist ohnehin der (geschlechtslose) Computer. Menschenhände steuern die "Columbia"-Fähre daher auch bei ihrem 22. Flug nur wenige Minuten lang - und zwar während der Landephase, wenn der Raumgleiter die Schallgeschwindigkeit nach unten hin durchbricht. "Boss an Bord" durften Frauen auf US-amerikanischen Raumflügen noch nicht sein. Dafür setzten sie bereits andere Meilensteine: 1983 flog mit Sally Ride die erste Astronautin der US-Geschichte an Bord eines Space Shuttles ins Weltall. 1984 unternahm Kathy Sullivan als erste US-Astronautin einen Spaziergang im Weltraum. Anna Fisher begab sich 1985 als erste schwangere Amerikanerin ins All. Shannon Lucid brach 1996 einen Rekord mit ihren 188 Tagen an Bord der russischen Raumstation MIR. Die Russen hatten bereits 1963 mit Valentina Tereshkova eine Frau ins Weltall gebracht. Präsident John F. Kennedy, weiblichen Reizen ansonsten nicht abgeneigt, hielt Astronautinnen dagegen für reinen Ballast beim Wettlauf zum Mond und verwehrte Frauen den Zutritt zur Schwerelosigkeit. Die Gleichberechtigung im Weltall schafften die Amerikaner erst durch ein Gerichtsurteil Anfang der 70er Jahre. Unter der 130köpfigen Astronautentruppe finden sich bis dato trotzdem nur 18 Frauen. Doch immerhin: seit 1992 hat die Nasa ihren offiziellen Sprachgebrauch der neuen Geschlechtervielfalt angepaßt. Raumflüge sind seitdem nicht mehr bemannt (manned), sondern bewohnt (habitated). Politische Korrektheit - auch im Weltall. +++ [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 03.04.1997]
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