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Gekungel am Boden - Gefahr in der LuftMary Schiavo, bis letztes Jahr US-Regierungsbeauftragte für Flugsicherheit, hat ausgepacktEs war der 17. Juli 1996. Gerade hatte Mary Schiavo ein mehrtägiges Spießrutenlaufen hinter sich. Weshalb sie nur zurückgetreten sei, wollten ihre Vorgesetzten in der US-Regierung wissen. Probleme? Warum habe sie dann nicht früher Alarm geschlagen? Sie hatte. Aber weder US-Verkehrsminister Federico Pe a noch der Chef der Behörde für die Flugsicherheit FAA (Federal Aviation Administration) hatten hören wollen, was Mary Schiavo zu den Zuständen im US-Flugverkehr zu sagen hatte. Jetzt war es überstanden, der Rücktritt endgültig, Mary Schiavo zuhause. Stunden später stand ihr Mann vor ihr: "Es ist wieder eine abgestürzt. Sieht nicht gut aus." Es war der 17. Juli 1996: Vor Long Island war ein TWA-Jumbo ins Meer gestürzt. "Zwei Wochen lang gab ich ein Interview nach dem anderen zur Flugsicherheit. Aber es fiel mir schwer, die Menschen zu beruhigen, denn ich kannte ja die schlampige Arbeit der FAA." Was Schiavo damals noch für sich behielt, hat sie jetzt in einem Buch geschrieben, das in den USA für Aufsehen sorgt. Das Magazin "Time" widmete "Flying safe - Flying blind" ("Blind fliegen - sicher fliegen") eine Titelgeschichte. Und bei mancher von Schiavos Enthüllung dürfte auch deutschen Passagieren Angst und Bange werden. Die 41jährige Schiavo beschreibt gefahrenträchtige Kungeleien zwischen der FAA und der amerikanischen Luftfahrtindustrie. Da wurden offenbar peinliche Unfallstatistiken zurückgehalten, Ausnahmegenehmigungen für überalterte Flieger routinemässig erteilt und Sicherheitssysteme, zum Beispiel gegen Feuer in den Gepäckräumen, nicht verbindlich vorgeschrieben - alles, um die Fluglinien vor höheren Kosten zu schützen, kritisiert die Autorin. Auch bei Kontrollen der Airlines wurden offensichtlich immer wieder Augen zugedrückt: Zwischen 1988 und 1990 zum Beispiel meldete die FAA nach 833 000 Inspektionen nur 4 000 Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen. Nur ein Bruchteil davon führte zu Bußgeldern oder Verwarnungen. Dabei waren viele der Kontrollen ausgesprochen lax: Wichtige Bestandteile eines Flugzeuges, wie die Landesysteme oder die Sauerstoffversorgung wurden nur gelegentlich und selbst die Triebwerke nur in 52 Prozent der Fälle überprüft. Schiavo - selbst Pilotin - schildert weiter, wie die FAA 1996 einen Bericht über katastrophale Sicherheitsmängel auf US-Flughäfen zurückhalten wollte. Defizite bei Gepäck- und Personenkontrollen hatten sich verschärft, gleichzeitig war die Zahl versuchter Bombenattacken auf Flugzeuge deutlich gestiegen. An einem Flughafen, so war in dem Bericht zu lesen, hatten Beamte beobachtet, daß von 1 500 Koffern nur ein einziger für eine nähere Inspektion geöffnet wurde. Doch die FAA war darauf aus, vor den Olympischen Spielen in Atlanta jede Unruhe zu vermeiden - was gelang. Bis zum 17. Juli. Erschreckend für jeden, der irgendwo auf der Welt in ein Flugzeug steigt, ist Schiavos Bericht über die sogenannten "bogus parts" - gefälschte Ersatzteile. Weil manche Maschinen so alt sind, daß selbst der Hersteller die Orignalteile nicht mehr verfügbar hat, werden Rädchen, Platten oder Dichtungen, aber auch größere Teile wie Turbinenblätter bei Ersatzteil-Maklern gekauft. Niemand weiß, wieviele dieser "Broker" es weltweit gibt und woher sie ihre Ware beziehen. Gegen den Willen der FAA ließ Schiavo ihr Department Kontrollen durchführen. Sie fand unzählige "bogus parts". Statt echter Flugzeugteile hatten manche Fälscher einfach Autoteile geliefert oder Schrott poliert und als neuwertig verkauft. Selbst in der hauseigenen Flotte der FAA wurden 39% der Teile als verdächtig eingestuft. Die FAA wollte es nicht glauben, kontrollierte selbst - und fand sogar noch mehr. Und in noch zwei weiteren Maschinen wurden Schiavos Spürhunde fündig: In der Air Force One und Two, den Flugzeugen des Präsidenten und seines Vizepräsidenten. +++ [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 12.04.1997]
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