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Sie sinkt und sinkt und sinkt85 Jahre nach ihrem Untergang wird die "Titanic" mehr denn je vermarktetDie Titanic wollte nicht sinken, selbst nach mehreren Versuchen. Ein Alptraum für den Produzenten der neuen New Yorker Broadway-Show "Titanic": Bei einer Probe versagte erst die Hydraulik für den Eisberg. Dann stotterte die komplizierte Versenkungsmechanik für das riesige Schiffsmodell auf der Bühne. Fast 85 Jahren nach ihrem tragischen Untergang schien die Titanic doch noch ihr Versprechen einzulösen: das der Unsinkbarkeit. Die echte Titanic stellte sich weniger bockig an: Heute vor 85 Jahren, 20 Minuten vor Mitternacht, rammte der damals teuerste Luxusliner einen Eisberg und versank zweieinhalb Stunden später im fast vier Kilometer tiefen Wasser. 1 523 der 2 200 Passagiere ertranken. In der ersten Klasse überlebten fast achtzig Prozent der Passagiere. In der Holzklasse dagegen, wo überwiegend arme Immigranten reisten, gab es die meisten Opfer zu beklagen. 85 Jahre nach dem Untergang ist der Titanic-Mythos ungebrochen. Das legendäre Schiff muß öfter sinken denn je - zum Beispiel in einen 77 Millionen Liter Wasser fassenden Tank in der mexikanischen Stadt Rosalito. Dort dreht Regisseur James Cameron (Terminator I und II, Alien) sein neues Katastrophen-Opus, es ist der vierte Titanic-Spielfilm in der Kinogeschichte. Der für seinen Perfektionismus bekannte Regisseur hat eine 250 Meter lange Nachbildung des im Original 268 Meter langen Schiffs aufbauen lassen. Das Hauptdeck kann bis zu 90 Grad geschwenkt werden. Die Schlüsselszene, in der die Fluten das Schiff verschlucken, ist eine Tortur für die über 100 Komparsen: Immer wieder müssen sie ans Deck, das sich so lange neigt, bis alle durcheinanderpurzeln. Gerüchten zufolge hat Cameron sein Budget bereits maßlos überzogen. Produktionskosten von 180 Millionen Dollar sind im Gespräch. Das sind 80 Millionen mehr als ursprünglich geplant und zehn Millionen mehr als Kevin Costners "Waterworld" - bisher der teuerste Film der Kinogeschichte und ein peinliches Debakel an den amerikanischen Kinokassen - kostete. Bei Camerons Titanic-Produzenten Fox und Paramount verbreitet sich deshalb angeblich bereits Untergangsstimmung. Camerons Film wird im Sommer mit den mutmaßlichen Publikumsmagneten "Batman & Robin" und "Speed II" konkurrieren müssen. Rettung erhoffen sich Cameron und seine Produzenten von der allgemeinen Titanic-Begeisterung, die zum 85. Geburtstag des Unterganges mit diversen Veranstaltungen einen neuen Höhepunkt erreicht. Allein 700 000 Fans des Schiffahrtsunglücks pilgerten bereits 1995 zu einer Ausstellung in London. Eine ähnliche Besucher-Zahl erwarten jetzt die Organisatoren einer Ausstellung in Hamburg. Präsentiert werden dort ab dem 8. Mai über 300 Memorabilia - von der "Titanic"-Tasse bis zum "Titanic"-Telefon. Eine Ausstellung in der Nähe von Boston zeigt sogar 2 100 Titanic-Objekte: Darunter eine Frühstücksspeisekarte vom Tag des Untergangs und die Schwimmweste der Millionärsgattin Astor. Diese war von ihrem Mann John Jacob zu einem der Rettungsboote geleitet worden, bevor er sich, ganz Gentleman, in seine Luxuskabine zum Sterben zurückzog. Mehr als 3 000 Bücher befassen sich mit dem Unglück, das neuste sogar mit seiner kulinarischen Dimension: Diese Woche erscheint in den USA und Deutschland das Werk "Last Dinner on the Titanic" ("Das letzte Abendessen auf der Titanic"). Die Leser erfahren darin alles über die Geheimrezepte der 16 Titanic-Köche (von denen nur einer überlebte), vom "Lobster Thermidor" bis zum "Filet Mignon Lili". Zusätzlich zu den Rezepten liefert das Buch Informationen über die Tischdekorationen, die Eßkultur an Bord und über die Band, die in der Schicksalsnacht zum Tanz aufspielte. Woher rührt die fortwährende Faszination an dem Schiffsunglück? Der Psychoanalytiker C.G. Jung sah in der Titanic eine Verkörperung jener Helden, deren Hybris, also Übermut, "die Götter veranlaßt, sie zu demütigen". Regisseur James Cameron sieht in dem Schiff "eine Metapher für die Unvermeidbarkeit des Todes. Wir alle befinden uns auf der Titanic." Der amerikanische Discovery-Kanal trieb die morbide Faszination im vergangenen Jahr auf die Spitze: zusammen mit einem französischen Sender organisierte er eine Wallfahrts-Expedition aus zwei Kreuzfahrtschiffen und einem Unterseeboot zu dem 1985 entdeckten Wrack. Die umgerechnet bis zu 9 000 Mark zahlenden Passagiere bekamen die Titanic beiläufig auf überdimensionalen TV-Bildschirmen live zu sehen, während sie vier Kilometer über dem Wrack ganz im Stil des Luxusliners dinierten. Das U-Boot sammelte derweil aus dem Wrack gespülte Kohlebrocken, die später für 25 Dollar pro Stück verkauft wurden. +++ [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 14.04.1997]
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