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Großvaters Asche ist für alle daIn den USA geht der Trend zum dezentralen UrnengrabDie Nachkömmlinge der verstorbenen alten Dame waren sich uneins: "Sie mochte die Berge", meinte die Tochter. "Sie liebte das Meer", widersprach der Enkel. Wohin also mit der Asche? Der Kompromiß: Mama respektive Oma kommt sowohl ins Meer als auch auf die Berge - und folgt damit einem neuen Trend in den USA: dem der postmortalen Mehrfachverwertung. Schon seit Jahren führt der letzte Weg immer mehr Amerikaner nach ihrem Tod nicht ins Grab, sondern ins Krematorium - eine platzsparende Sitte, die die katholische Kirche allerdings erst seit den 60er Jahren offiziell gutheißt. Die neueste Marotte geht dem Vatikan allerdings entschieden zu weit: Immer öfter nutzen Hinterbliebene nämlich eine praktische Eigenschaft von Asche: ihre bequeme Teilbarkeit. Zehn Gramm für den Sohn, zwanzig für die Tochter, und die Nichte will auch noch ein Quentchen haben. Opa ist für alle da - und soll es auch nach dem Tode bleiben. Aktuelles Beispiel für diese Form der Persönlichkeitsspaltung nach dem Tode ist der jüngst verstorbene Beatnik-Dichter Allen Ginsberg: Er läßt sich, seinem letzten Willen gemäß, gleich dreiteilen. Wie die "Los Angeles Times" berichtete, gehen zwei kleine Urnen an buddhistische Zentren in den US-Bundesstaaten Michigan und Colorado sowie eine dritte an einen jüdischen Friedhof in New Jersey. "Früher teilten sich die Hinterbliebenen ein paar Haarlocken, das war es", sagt dazu Phill Hull, Manager eines kalifornischen Beerdigungsunternehmens. Inzwischen jedoch halte er bei jeder Einäscherung stets zwölf Behälter in verschiedenen Größen vorrätig - für die Aufteilung der Asche. Der Theorie des Bestatters zufolge haben viele Menschen emotionale Probleme damit, die Asche eines Verstorbenen einfach in den Wind zu blasen. Immer mehr möchten sich zumindest ein paar Teelöffel des Knochenstaubs für daheim behalten - um sich so zu vergewissern, daß der oder die Verstorbene auch wirklich existiert hat. Mark Goulston, ein Psychiater in Los Angeles, hat dagegen eine andere Erklärung. Da die traditionellen Familiengräber heute immer seltener würden, gehe der Trend nun zum dezentralen Urnengrab. +++ [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 19.04.1997]
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