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Bekenntnisse eines VerlierersBuddy Foster gibt Privates seiner berühmten Schwester Jodie preisUm die Katze gleich aus dem Sack zu lassen: auf Seite 153 seines soeben in den USA erschienenen Buches verkündet ein ziemlich unbekannter Mann, daß er seine sehr berühmte Schwester für lesbisch oder zumindest bisexuell hält. Der Mann heißt Buddy Foster, ist 39 Jahre alt und ein gescheiterter Schauspieler. Er schlägt sich - nach zwei gescheiterten Ehen, einem Selbstmordversuch und der dritten Heirat - nunmehr als Bauunternehmer durch. Seine Schwester ist Jodie Foster, Schauspielerin, Produzentin, Regisseurin und doppelte Oscarpreisträgerin. Die Biographie, die in Deutschland im Juni beim Econ-Verlag erscheint, trägt den doppeldeutigen Titel "Foster Child". Das bedeutet im Englischen auch "Adoptivkind". Der US-Verlag beweist mit der Veröffentlichung sensibles Timing, ist doch die amerikanische Öffentlichkeit derzeit in Sachen Lesben gut vorgewärmt: Erst vor knapp drei Wochen erklärte sich unter gewaltigem Medienecho der TV-Serienstar Ellen DeGeneres als frauenliebend. Anders als die extrovertierte Ellen redet die eher unterkühlte Jodie allerdings nur ungern über ihr Privatleben. Die Sensationspresse hat ihr Fressen: "Fosters Tarnung fliegt auf", hetzte beispielsweise die "New York Post". Alles maßlos übertrieben. Denn Buddy Fosters einzig wirklich konkrete Aussage zu dem Thema in dem Buch lautet lapidar: "Ich habe immer angenommen, daß Jodie lesbisch oder bisexuell ist." Mehr nicht. Auch Bruder Buddy weiß nicht mehr als Jodies Fans: während der schon 31jährigen Filmkarriere bekannte sich der Ex-Kinderstar nämlich nicht zu einer einzigen Romanze - zu einer lesbischen schon gar nicht. Zugegeben - eingestreut in Fosters Buch finden sich reichlich Indizien, die nahelegen, daß Jodie auf Frauen steht. Da wäre die lesbische Freundin der Mutter Brandy Foster. Nachdem sich "Mom" 1963 von ihrem chronisch untreuen Ehemann Lucius getrennt hatte, zog Liebhaberin Jospehine Dominguez ins Haus. "Jo D." (der Jodie Foster ihren Vornamen verdankt) war lange Jahre Mutter Nummer zwei für die vier Foster-Kids und brachte emotionale Stabilität in die Familie. "In den Jahren mit Jo kamen wir einem glücklichen Familienleben am nächsten", erinnert sich Buddy. Ein paar Seiten weiter fährt der Autor vielsagend fort: "Jodie haßte Barbie-Puppen, Schmuck und Kleider - am liebsten spielte sie James Bond." Außerdem, schreibt er ein paar Kapitel später, habe sie in den 80er Jahren ihr "Ein-Schlafzimmer-Apartment" in Paris mit einer sehr dominanten und zehn Jahre älteren Schmuckdesignerin geteilt. Tja, und dann wäre da noch der Vorfall vom Erntedankfest 1996: Jodie kochte für den ganzen Foster-Clan und ausnahmsweise gab es keine Streitereien. Bis es an der Türe schellte. Draußen standen "drei sexy Punker-Frauen mit Kurzhaarfrisuren, Tätowierungen und Nasenringen". Die Stimmung war dahin, "Mom" Brandy zischte: "Du solltest es wirklich besser wissen!" Hat Bruder Buddy Anlaß, seiner Schwester etwas heimzuzahlen? Immerhin hat Jodie indirekt bewirkt, daß Buddies vielversprechende Karriere als Kinderstar abrupt endete. Als Dreijährige rannte die Kleine mitten in ein Bewerbungsgespräch ihres Bruders für einen Fernsehwerbespot: "Ich bin Alexander der Große", verkündete sie und bekam prompt die Rolle. Noch heute erinnern sich Millionen von US-Amerikanern an die junge Jodie Foster als das niedliches "Coppertone-Girl", das jahrelang in TV-Spots für eine Sonnenschutzcreme warb. Mutter Foster stornierte Buddies Filmkarriere kurzerhand und kümmerte sich fortan um Jodies Zukunft. Buddy verließ mit 15 deprimiert sein Zuhause, schloß nicht mal die High-School ab und wurde drogenabhängig. Jodie wurde immer berühmter, bekam bereits mit 13 Jahren ihre erste Oscar-Nominierung und absolvierte nebenbei noch ein Literaturstudium an der Elite-Uni Yale. Scheinbar Grund genug, um der Schwester endlich eins auszuwischen. Wäre da nicht ein überzeugend liebevoller Tonfall, in dem der Bruder über die Schwester schreibt; und wäre da nicht der Umstand, daß heutzutage selbst bei den prüden Amerikanern Homosexualität immer weniger als Anklagepunkt taugt. Buddy Fosters Buch ist denn auch vor allem Selbsttherapie. "Foster Child" handelt ebenso sehr von Jodie wie von Buddy. Nicht zufällig ist das Photo des Bruder auf der Rückseite des Buches größer als das der berühmten Schwester auf der Vorderseite. Buddy Fosters Sorge, daß seine Schwester Zeit ihres Lebens Beziehungen - egal ob hetero oder lesbisch - aus dem Wege gehen könnte, klingt überzeugend. Am interessantesten wird das Buch dort, wo der Bruder einfühlsam den wichtigsten Grund für die Publikums- und Beziehungsangst seiner Schwester erklärt: Seit ihrem Auftritt 1976 in "Taxi Driver" tyrannisierte ein Verrückter namens John Hinckley die junge Jodie mit Briefen voller Liebeserklärungen - und voller Morddrohungen. 1981 verübte Hinckley schließlich ein Attentat auf den Präsidenten Ronald Reagan, um endlich die Aufmerksamkeit seines Idols zu erlangen. In einem Artikel in "Esquire" beschrieb Jodie Foster ein Jahr später ihr Trauma: "Ich werde immer Menschen mißtrauen, die mir ihre Liebe gestehen." +++ [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 24.05.1997]
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