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BerlinOnline


Datum:   23.06.1997
Ressort:   Vermischtes
Autor:   Marc Fest

Rollstuhl paßt nicht in Barbies Traumhaus

Behinderte Puppe muß draußen bleiben

Böses Erwachen im Puppentraum: Tausende von amerikanischen Eltern wollten ihren behinderten Kindern in den letzten Wochen eine besondere Freude machen ­ mit Becky, der neuesten Freundin der weltberühmten Barbie-Puppe.

Becky ist, wie ihre Freundin Barbie, ebenfalls aus Plastik und vollbusig ­ aber sie sitzt in einem pinkfarbenen Rollstuhl. Ein, wie es zunächst schien, genialer Marketing-Schachzug des Spielzeugherstellers Mattel. "Vorbehalte gegen Behinderte" wollte die Firma nach eigenem Bekunden abbauen.

Und sich ganz nebenbei wohl auch eine zusätzliche Zielgruppe erschließen: behinderte Kinder, die sich mit Becky bestens identifizieren sollten. Doch diese Identifikation verlief in vielen Fällen näher am wahren Leben, als der Firma lieb ist. Denn jetzt stellte sich heraus, daß Beckys Rollstuhl nicht durch die Türen des "Barbie-Traumhauses" (180 Mark, zwei Stockwerke) paßt. Eine schmerzhafte Erfahrung gerade für diejenigen Bekky-Besitzerinnen, die selber auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Zum Beispiel die 17jährige Kjersti Johnson aus Tacoma im Bundesstaat Washington. "Wie ironisch und doch wahr", schrieb Kjersti in einer e-mail an eine Behindertenorganisation. "Mit diesen Problemen haben wir jeden Tag zu leben. Mattel hat versprochen, seine zukünftigen Barbie-Häuser behindertengerecht zu gestalten. Wenn sich das nur so einfach für uns alle machen ließe."

Mattel-Sprecherin Lisa McKendall entschuldigte sich: "Dies ist die erste Mode-Puppe in einem Rollstuhl, das ist eine ganz neue Initiative von uns. Das Traumhaus ist bereits seit Jahren auf dem Markt und zwei unserer anderen Puppenhäuser sind behindertengerecht."

Bereits im nächsten Monat, so verspricht Mattel, soll es ein neues Falthaus geben. Garantiert ohne Treppen und mit einer extra breiten Eingangstür.

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