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Die Kennedys eine Dynastie im Abstieg?Trotz seines großen sozialen Engagements redet Amerika vom Niedergang des legendären ClansFall Nummer eins: eine Affäre mit der Babysitterin. Fall Nummer zwei: eine Ex-Frau kämpft nach der Scheidung gegen die kirchliche Annullierung ihrer Ehe. Diese beiden Skandälchen plagen momentan den amerikanischen Kennedy-Klan. Die Nachkommen des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy und dessen ebenfalls ermordeten Bruders, Senator Robert F. Kennedy, verkörperten deshalb eine "Dynastie im Abstieg", befand das US-Nachrichtenmagazin Newsweek unlängst auf seiner Titelseite. Seltsam. Denn wer sich die 29 Mitglieder der dritten Kennedy-Generation genauer anschaut die 47 Vertreter der vierten Generation stecken in der Mehrzahl noch im Windel- oder Nintendo-Alter , der findet einen erstaunlichen, fast manischen Grad an Engagement für das Gemeinwohl. Zugegeben die beiden Affären sind ein Ärgernis. Sie betreffen Joe und Michael, zwei der elf Kinder "RFK" Robert F. Kennedys und seiner Frau Ethel. Michael, Geschäftsführer einer Bostoner Energieversorgungsfirma, welche Bedürftige mit billigem Öl und Gas versorgt, befindet sich mit Frau Viktoria nach 16 Jahren Ehe in Scheidung; vor zwei Jahren erwischte sie ihn mit der Babysitterin im Bett. Ein Staatsanwalt in Massachusetts überprüft nun, ob die Babysitterin zu Beginn der Affäre noch minderjährig war. Beobachter rechnen nicht mit einem Prozeß, da die ehemalige Babysitterin (die Tochter einer mit den Kennedys befreundeten Familie) bisher keine Aussage gemacht hat und offenbar nicht klagen will. Nebenbei hat Michael noch Alkoholprobleme. Dann wäre da der ältere Bruder Joe Jr., Jahrgang 1952 und geschieden: Joe sitzt für den Kennedy-Heimatstaat Massachusetts im Kongreß und will im nächsten Jahr für den wichtigen Gouverneursposten kandidieren. Seinen Bruder Michael engagierte er in der Vergangenheit als Wahlkampfmanager und als engen politischen Berater. Wieviel hat Joe von der Babysitter-Affäre gewußt oder gar verheimlicht, fragt sich die Boulevard-Presse nun besorgt. Gleichzeitig beklagt sich Joes Ex-Frau Sheila in einem Buch über die von Joe angeblich erzwungene kirchliche Auflösung ihrer Ehe (fast alle Kennedys sind streng katholisch erzogen und gehen jeden Sonntag in die Messe). Sheilas Angriff allerdings ist fragwürdig: Sie selbst war es, die seinerzeit die Scheidung einreichte. Ihren Ex-Mann Joe porträtiert sie in ihrem Buch als Widerling: "Ich bin der Star in der Familie und du ein Niemand", habe ihr Ex-Mann ihr immer vorgehalten. Außerdem sei Joe jähzornig. Zum Schluß habe sie "nur noch Angst vor ihm gehabt". Erlauben es diese eher unspektakulären Vorkommnisse und privaten Abrechnungen, von einem "Niedergang der Kennedys" zu sprechen? Senator Ted Kennedys Autounfall von 1969 bot da weitaus mehr Sensationsstoff: Damals kam ein weiblicher Passagier unter nie ganz geklärten Umständen ums Leben. Auch der Vergewaltigungsskandal um William Kennedy Smith von 1991 eignete sich besser für Schlagzeilen. Damals gab es immerhin einen spektakulären Gerichts-Prozeß, der dann allerdings mit einem Freispruch endete. Eine Wahl in ihrem Heimatstaat Massachusetts haben die Kennedys bis heute nicht verloren trotz Ehescheidungen, Trunkenheit und anderer Skandale. Ted junior, achtes Kind in der RFK-Abteilung, bringt es auf den Punkt: Die Fälle von Drogen- und Sexproblemen seien bei so vielen Kennedys einfach eine "statistische Notwendigkeit". Zudem engagieren sich die Kennedys mehr denn je in Politik, Umweltschutz, Menschenrechten, Journalismus. Allein unter den zehn noch lebenden Kindern von Robert F. und Ethel Kennedy finden sich zwei Politiker, ein Umweltschutz- und zwei Menschenrechtsaktivisten, ein Geschäftsführer eines gemeinnützigen Energieversorgungsunternehmens und ein Produzent sozialkritischer Videodokumentationen. Auch auf dem Shriver-Ast des verzweigten Familienbaums tummeln sich überdurchschnittlich viele Parlamentsmitglieder, Direktoren von Behindertenolympiaden und ähnlichen Wohltätigkeitsorganisationen. Auch jede Menge erfolgreicher Rechtsanwälte und Produzenten sind dabei von angeheirateten Action-Stars wie Arnold Schwarzenegger ganz zu schweigen. Anlaß für die "New York Times", den Kennedys unlängst in einem wohlwollenden Artikel eine geradezu "höllische Entschlossenheit zum Erfolg" zu bescheinigen. [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 28.06.1997]
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