antiquarische und gebrauchte Bücher

Inhalt A-Z|Sitetour|Hilfe|Wir über uns|E-Mail|Suche
AktuellesWirtschaftMarktServiceKulturWissenReisenSpassSport

BerlinOnline


Datum:   16.07.1997
Ressort:   Vermischtes
Autor:   Marc Fest

Entsetzen in Miami Beach über Mord an Versace

Der italienische Stardesigner wurde vor seiner Villa erschossen ­ er war der berühmteste Einwohner der Stadt

Mit der Ermordung von Gianni Versace ist für das Urlauber-Paradies South Beach der schlimmste Alptraum Wirklichkeit geworden. Die Menschen können es nicht fassen. Zu Hunderten scharen sie sich hinter den Polizeisperren vor der opulenten Villa des Modemachers direkt am belebten Ocean Drive. Auf den Stufen vor dem großen schmiedeeisernen Eingangstor leuchtet die Blutlache des weltberühmten Modemachers in der Sonne. Das Blut ist drei Stufen hinuntergeflossen.

Über dem Haus schwirren die Hubschrauber der örtlichen Fernsehstationen. Eddy Bianchi hat die Ermordung mit eigenen Augen gesehen. "Er hat ihn mitten in den Kopf geschossen", sagt der Mann, der gleich um die Ecke von Versaces Villa einen Rollerblade-Laden führt. "Es sah so aus, als ob sie kurz vor den Schüssen einen Streit hatten. Ich glaube es war eine persönliche Angelegenheit. Kein Raubmord. Keine wahllose Erschiessung." Der Mörder, ein Weißer Anfang 20, sei nach den Schüssen vom Tatort weggelaufen. Versaces Assistent habe versucht, dem Täter zu folgen, sei aber Sekunden später zu dem am Boden liegenden Versace zurückgekehrt. Bianchis Ehefrau Gerosa hat den Mord ebenfalls mit eigenen Augen gesehen. Die zierliche, blonde Frau drückt ihren Zeigefinger gegen ihre Schläfe. "Der Täter hat die Waffe direkt gegen den Kopf gehalten", erzählt sie. Er habe ein zweites Mal abgedrückt, als Versace bereits am Boden gelegen habe. "Innerhalb von Sekunden war ein Polizist da." Eine Ambulanz brachte den Modemacher in das Trauma Center des Jackson Memorial Krankenhauses. "Wir konnten nur noch den Tod feststellen", so der zuständige Arzt zu Reportern.

Versace war zum Frühstück im nahen "News Cafe" gewesen, einem populären Restaurant nur drei Querstraßen von seinem Haus entfernt. Dort hatte er noch eine italienische Zeitung gekauft. Er war auf dem Rückweg zu seiner dreistöckigen Villa, dem einzigen Privatwohnhaus am Ocean Drive, der palmengesäumten Hauptstraße von Miami Beach, an der sich ansonsten Hotels, Restaurants, Galerien und Boutiquen aneinanderreihen. Der Modemacher öffnete gerade das Eingangstor, als der Täter plötzlich hinter ihm stand.

War es ein geplanter Mord oder eine willkürliche Schießerei? Beinahe panisch sprechen die Reporter in den Live-Sendungen immer wieder diese Frage aus. Erst vor fünf Jahren gab es in Süd-Miami über zehn Touristenmorde. Die Täter wählten ihre Opfer damals nach dem Zufallsprinzip aus. In der Pressekonferenz am Mittag beginnt der Bürgermeister von Miami Beach, Seymour Gelber, denn auch schon mit der Schadensbegrenzung in Sachen Tourismus, der wichtigsten Einnahmequelle für die Stadt: "Der Mord ist schrecklich. Aber ich verspreche Ihnen, Miami Beach ist sicher."

Doch so oder so, wahllos oder gezielt, ist der Mord an Gianni Versace eine Katastrophe für Miami Beach, die noch lange nachwirken wird. Als berühmtester Bewohner der Stadt (Stallone und Madonna wohnen im benachbarten, größeren Miami) hat der Modemacher ­ auch mit seinen legendären Parties ­ maßgeblich das Image der Strand-Metropole geprägt: Mode, Models, schöne Menschen.

[zurück zu den Suchergebnissen]   [Neue Suchanfrage]   [Weitere Artikel vom 16.07.1997]  

Druckversion Seite versenden print-send Hilfe Wir über uns E-Mail Suche Seitenanfang footer
www.BerlinOnline.de © 2001 G+J BerlinOnline GmbH & Co. KG