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Das FBI warnte erst spät vor CunananMögliche neue Spuren vom Mörder Gianni VersacesDer mutmaßliche Mörder des italie-nischen Modeschöpfers Gianni Ver-sace hat sein Opfer möglicherweise über mehrere Wochen hinweg beobachtet. Das FBI ging gestern weiteren Spuren von Andrew Cunanan nach. Der Callboy wird nun auch mit einem neuen Mord an einem wohlhabenden Mann in Verbindung gebracht. In dem nahe von Miami Beach gelegenen Miami Springs wurde gestern ein Arzt in seinem Haus tot aufgefunden. Nach örtlichen Fernsehberichten war der Mann homosexuell. Augenzeugen wollen auch gesehen haben, daß ein Mann mit dem Aussehen Cunanans aus dem Haus geflüchtet sei. Der 27jährige Callboy wurde bereits bevor der Mord an Versace geschah vom FBI gesucht, weil er vier Männer getötet haben sollte. Trotz einer der größten Fahndungsaktionen in der Geschichte Floridas hat die Suche nach Cunanan bis gestern offenbar keine wirklich heiße Spur erbracht. Hunderte von Beamte sind an Flughäfen, Autobahnen sowie Seehäfen postiert worden. Schon bereits vor einem Monat hatten sich Hinweise gehäuft, daß Gianni Versaces mutmaßlicher Mörder Andrew Cunanan in Südflorida aufgetaucht war. Das FBI erhielt mehrere Tips aus Palm Beach, wo Cunanan angeblich gesichtet wurde, berichtet der "Miami Herald". Jetzt beklagen sich verschiedene Schwulenorganisationen, das FBI habe sie nicht ausreichend vorgewarnt. Sicher ist: das FBI kontaktierte bereits vor Wochen eine Schwulen- und Lesbenorganisation in Fort Lauderdale und erhielt dort eine Adressenliste, um Fahndungsposter an Bars, Diskos und andere schwule Treffs und Organisationen in Südflorida zu verschikken. Fest steht ebenfalls: das FBI reagierte daraufhin nur halbherzig, verteilte nur wenige Poster. In den Bars von Miami Beach am Abend vor dem Mord wußte kaum jemand, daß Cunanan Wochen zuvor in der Nähe gesichtet worden war. Das "Twist", eine populäre Bar auf der Washington Avenue in Miami Beach, hatte nur ein einziges, kleines Poster erhalten. Es klebte im Büro. "Ich will wissen, warum uns das FBI nicht früher informiert hat", beklagt sich auch Glenn Albin, Chefredakteur des "Ocean Drive Magazine". "Einer meiner Barkeeper ist sich zu 90 Prozent sicher, Cunanan gesehen zu haben", so John Manzi, Besitzer eines Clubs auf dem Las Olas Boulevard in Fort Lauderdale. "Ein Fahndungsposter hätte hier einen Riesenunterschied machen können." Auch diverse Schwulenmagazine erhielten keine Warnungen. "Scoop", ein Anzeigenblatt für Miami, hatte sogar noch am 4. Juli einen Bericht über Cunanan gedruckt ohne Wissen um die jüngsten Spuren des Serienmörders im nahen Palm Beach. Paul Philip, Special Agent des FBI in Miami Beach, rechtfertigt das Verhalten der Bundespolizei: "Es ging darum, ausgewogen zu reagieren. Wir wollten nicht, daß die Leute in Panik verfallen." Nach dem Mord an Versace verteilt das FBI nun Zehntausende von Plakaten. Inzwischen berichtete der "San Francisco Chronicle", Versace und seine Mörder hätten sich vor sieben Jahren in San Francisco kennengelernt. Ein Informant habe dem FBI berichtet, Cunanan habe damit angegeben, den Designer bei einem Restaurantessen kennengelernt zu haben. Versace hielt sich 1990 in San Francisco auf, um dort Kostüme für eine Oper zu entwerfen. Die Behörden hatten bislang betont, daß es noch keine Hinweise gibt, daß Cunanan den Modemacher gekannt habe. Dagegen sagte eine Journalistin der Modezeitschrift "Vanity Fair", daß sich nach ihren Recherchen beide Männer 1991 in San Francisco in der Oper begegnet seien. Die Journalistin hat wochenlang für einen Artikel über Cunanan recherchiert. Die Angehörigen Versaces haben dagegen eine Bekanntschaft der beiden kategorisch ausgeschlossen. Die Leiche Versaces sollte nach der gestrigen Einäscherung in Miami Beach umgehend von den Geschwistern des Toten nach Italien gebracht werden. Am Wochenende ist eine Trauerfeier im kleinsten Kreis im norditalienischen Como geplant, wo Versace eine Villa hatte. Für heute ist in Miami ein katholischer Trauergottesdienst geplant. [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 18.07.1997]
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