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BerlinOnline


Datum:   29.07.1997
Ressort:   Vermischtes
Autor:   Marc Fest

Fall Cunanan: Streit um Belohnung in Miami Beach

Auch nach Öffnung des Safes im Hausboot kann über Motive des Serienmörders nur spekuliert werden

Wird Versace-Mörder Cunanan eingeäschert? Fand sich in seinem Blut der Aids-Virus? Erhält der 71jährige Entdecker von Amerikas meistgesuchtem Serienmörder den versprochenen Finderlohn? Fast eine Woche nach dem Selbstmord Andrew Cunanans häufen sich Fragen, die in ihrer relativen Belanglosigkeit das Ende der Anspannung nach dem Versace-Mord in Miami Beach markieren.

Spekuliert wird derweil, daß Cunanan durch den Hausbootbesitzer Torsten Reineck an gefälschte Ausweispapiere der "Republik Sealand" kommen wollte. Reineck, ein in Deutschland per Haftbefehl gesuchter Steuerflüchtling, gab sich in Florida als diplomatischer Vetreter der von den USA nicht anerkannten "Republik Sealand" aus und prahlte mit "Corps Diplomatiques"-Plaketten auf den Nummernschildern seines Mercedes.

Der Haftbefehl gegen Reineck soll nach Angaben des Leipziger Oberstaatsanwaltes Norbert Röger noch um weitere Betrugstatbestände erweitert werden. Damit sollen vermutlich die Chancen auf eine Auslieferung Reinecks durch die USA verbessert werden.

Ein blauer Safe in Reinecks Hausboot enthüllte nach seiner Öffnung durch das FBI gestern nichts, das die Ermittlungsbehörden mit Cunanan in Zusammenhang bringen konnten. Das Nachrichtenmagazin "Time" berichtete unterdessen, Silvester Stallone und Madonna hätten auf einer "Todesliste" Cunanans gestanden. Stallone sei vom FBI unterrichtet worden, daß Cunannan sich nach den festen Gewohnheiten der Beiden erkundigt habe.

Fernando Carreira, der 71jährige Hausmeister und Entdecker von Cunanans Hausboot-Versteck, klagt inzwischen auf die Auszahlung von Belohnungen in Höhe von insgesamt 65 000 Dollar (rund 100 000 Mark). Die Polizei hatte erklärt, Carreira habe sie nur per Zufall zu dem Hausboot geführt. Die Weigerung der Behörden löste Proteste in der Bevölkerung aus.

Aktivisten haben in Miami Beach schon über 3500 Unterschriften für Carreira gesammelt. FBI-Sprecher Michael Fabregas und "Greater Miami"-Bürgermeister Alex Penelas signalisierten inzwischen ihre "Sympathie" für Carreira. Doch zunächst müßten die Ermittlungen abgeschlossen werden.

Zumindest die Schwulen und Lesben halten derweil ihr Versprechen: am Sonntag flog Carreira nach New York City, um dort von dem "Schwul-Lesbischen Anti-Gewalt-Projekt" eine Belohnung von 10 000 Dollar entgegen zu nehmen. Das Projekt kümmert sich um schwule und lebische Gewaltopfer in Manhattan. Am Flughafen empfingen den Hausmeister Hurra-Rufe und eine Luxus-Limousine. Was Carreira mit dem Geld vorhat? "Zunächst einmal meine Schulden abzahlen".

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