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Datum:   05.08.1997
Ressort:   Vermischtes
Autor:   Marc Fest

Bei Anruf Autopsie

Neue Dienstleistung in USA: Die Obduktion Verstorbener ist jetzt auch per Telefon bestellbar

Die Mutter von Melody Pulleys war gestorben. "Lungenentzündung" befand das Krankenhaus. Eine Autopsie sei nicht vonnöten. Doch Frau Pulley wollte auf Nummer Sicher gehen. Unter einer gebührenfreien Rufnummer orderte sie eine Obduktion von einem Privat-Pathologen. Kostenpunkt: 2 500 Dollar.

Gebührenfreie Rufnummern mit einprägsamen Buchstabenkombinationen sind der Inbegriff der amerikanischen Service-Gesellschaft. Blumen für die Mutter? Ein kostenloser Anruf bei "1-800-Flowers" genügt. Ein Diamentendiadem? "1-800-CARTIER" nimmt die Bestellung dankend entgegen. Eine Obduktion gewünscht? Ein Anruf bei "1-800-AUTOPSY" oder "1-888-DR.AUTOPSY" ­ und die Analyse der Leiche kann umgehend vorgenommen werden. Privatwirtschaftlich angebotene Obduktionen, so berichtet unlängst das "Wallstreet Journal", gab es in Amerika schon immer. Neu seien allerdings die ungenierten Vermarktungsmethoden geschäftstüchtiger Pathologen: Firmennamen wie "MacPath", leicht einprägsame gebührenfreie Rufnummern und griffige Slogans wie "Wir geben den Toten eine Stimme" buhlen um die Aufmerksamkeit potentieller Kunden. Und von denen gibt es immer mehr: Denn während amerikanische Krankenhäuser im Jahr 1965 noch 42 Prozent aller Toten obduzierten, liegt die Ziffer heutzutage aufgrund von Sparmaßnahmen nur noch bei 5 Prozent. Eine Marktnische für Pathologen wie Vidal Herrera. Seine Obduktionsfirma in Los Angeles untersucht seit 1989 jährlich rund 1 000 Leichen. Tendenz steigend. Typische Kunden: Menschen, denen der plötzliche Tod eines Verwandten irgendwie komisch vorkommt.

Dr. Brian McCarthy, ein Obduktionsunternehmer aus Florida, bringt die Beweggründe der Kunden mit dem Werbespruch für "MacPath" auf den Punkt: "Seelenfrieden ­ Antworten auf ihre Fragen." McCarthy hofft, sein Obduktionsunternehmen zu einer Art "McDonald s der Pathologie" auszuweiten, mit Autopsie-Zweigstellen im ganzen Land. Auch Vidal Herreras Geschäftspläne klingen optimistisch. Sein Ziel: "Ich will, daß mein Name gleichbedeutend mit dem Tod wird."

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