antiquarische und gebrauchte Bücher

Inhalt A-Z|Sitetour|Hilfe|Wir über uns|E-Mail|Suche
AktuellesWirtschaftMarktServiceKulturWissenReisenSpassSport

BerlinOnline


Datum:   09.08.1997
Ressort:   Vermischtes
Autor:   Marc Fest

Der Pilot des Crash-Jets war ein Lebensretter

"Fine Air"-Frachtflugzeug stürzte vermutlich wegen Überladung und Triebwerksausfall über Miami ab

Beim Absturz eines Transportflugzeugs vom Typ DC-8 in Miami sind am Donnerstag alle vier Insassen ums Leben gekommen. Am Boden wurden zwei Menschen leicht verletzt. Die Maschine, die vermutlich einen Triebwerksausfall hatte, war kurz nach dem Start über einem Geschäftszentrum abgestürzt und in Flammen aufgegangen. Der Pilot des Jets der Airline "Fine Air" lenkte das Flugzeug offensichtlich so, daß es nicht in Gebäude stürzte.

Es war eine Szene wie aus einem Action-Film: Entsetzte Angestellte rennen in Deckung, als riesige, brennende Flugzeugteile auf eine sechsspurige Straße fallen. Explodierende Feuerbälle schleudern parkende Autos durch die Luft wie Kinderspielzeug. Und schließlich kracht die Nase des Flugzeugs mitten durch das Fenster eines EDV-Geschäfts in einem normalerweise dichtbevölkerten Einkaufszentrum. John Russell, ein Zollbeamter auf dem Flughafen, sah die DC-8 des "Fine Air"-Fluges 101 am Donnerstag mittag starten: "Die Maschine zog viel zu gerade hoch, fast senkrecht. Ich hatte Angst, sie würde sich nach hinten überschlagen." Andere Zeugen registrierten ein Feuer in der rechten Turbine der 30 Jahre alten Maschine.

Sofort tot waren alle vier Besatzungsmitglieder des Frachtflugzeugs. Daß es keine Toten am Boden gab, grenzt an ein Wunder. Miamis Flughafen, einst am Rande der Stadt, liegt mitten in einem der aktivsten Geschäftszentren. "Er war ein Held, er hat das Flugzeug im Absturz noch umgelenkt und dadurch mehr Tote vermieden", lobte Miamis Bürgermeister Alex Penelas den Piloten der Maschine. Dieser hatte das Flugzeug offensichtlich auf eine breite sechsspurige Straße gesteuert, um den Crash in ein Gebäude zu vermeiden. Ein Glücksfall auch, daß die meisten Angestellten der umliegenden Geschäfte und Lagerhäuser bereits zum Mittagessen gegangen waren.

Die Maschine war mit über 39 Tonnen ungenähter Denim-Jeans beladen, für eine DC-8 eine ungewöhnlich hohe Beladung, die den Spielraum im Falle eines Turbinenausfalls erheblich einschränkte. Ein ehemaliger "Fine Air"-Pilot eilte zu der Absturzstelle und erklärte, der Absturz sei kein Zufall gewesen. "Alle Flüge sind entweder überladen oder falsch beladen. Die Maschinen fliegen am Rande ihrer Kapazität."

Zwei weitere Ex-Piloten der Linie bestätigten diese Aussagen gegenüber dem "Miami Herald". Flugzeug-Experten vermuten einen klassischen Turbinenausfall: "Es sieht so aus, als ob sie ziemlich steil starteten, dann eine Antriebsdüse verloren und abschmierten", so Mary Schiavo, ehemalige Chefinspekteurin des Verkehrsministeriums. "Normalerweise sollte ein Flugzeug aber auch mit einer Turbine alleine noch fliegen können", so Schiavo. Die Frachtfluglinie "Fine Air" war erst in der vergangenen Woche an die Börse gegangen. Das Durchschnittsalter ihrer 14 Flugzeuge liegt bei 31 Jahren ­ Passagierflugzeuge sind in den USA im Schnitt lediglich 10 Jahre alt.

[zurück zu den Suchergebnissen]   [Neue Suchanfrage]   [Weitere Artikel vom 09.08.1997]  

Druckversion Seite versenden print-send Hilfe Wir über uns E-Mail Suche Seitenanfang footer
www.BerlinOnline.de © 2001 G+J BerlinOnline GmbH & Co. KG