![]() |
|
Aktuelle Berliner Zeitung
E-Mail Berliner Zeitung Leser-Service Kleinanzeigen Wissenschaftsarchiv Archiv Berliner Kurier Handelsregister Titelfoto-Archiv Berlin-Foto-Archiv Berlinwahl Berlin-Chronik Kalenderblatt Berlin-Infos |
![]()
Vorsätzliche GefühlsentfremdungAmerika debattiert über Auswüchse eines altertümlichen ScheidungsgesetzesDie bis dahin eher unauffällige Sekretärin Margie Cox wechselte vor drei Jahren vom biederen Rock zum Minikleid, von der Hornbrille zur Kontaktlinse. Mit dem neuen Aussehen lockte sie ihren Chef Josef Hutelmyer zunächst ins Bett. Dann überredete sie ihn zur Scheidung von seiner Frau Dorothy. Dafür muß Margie nun büßen: mit einer Million Dollar (umgerechnet 1,6 Millionen Mark) an Dorothy. Das entschied eine Jury in North Carolina. Grundlage der Entscheidung war der etwas altertümliche Tatbestand der "vorsätzlichen Gefühlsentfremdung", den es nur in vier US-Bundesstaaten gibt. Er stammt aus dem 19. Jahrhundert, als Frauen noch den gleichen Status wie Sklaven oder Waren hatten. Talkshows wie "Today" und "Good Morning America" feiern Dorothy Hutelmyer nun als neue Heldin im "First Wives Club" (der Gemeinschaft der verlassenen "Erst-Ehefrauen") so benannt nach dem Film mit Bette Midler, in dem drei von ihren Männern verlassene Frauen süße Rachepläne gegen ihre Ex-Ehemänner spinnen. Doch Rache habe sie nie im Sinn gehabt, versichert Dorothy Hutelmyer mit sanfter Stimme. "Ich hoffe, daß die Institution der Familie in Amerika endlich wieder ernst genommen wird. Die Ehe ist ein Geschenk Gottes. Wenn jemand daherkommt und sie zerstört, so ist dies Unrecht." Mit ihrem Mann, so Hutelmyer während des siebentägigen Prozesses, habe sie eine 18 Jahre währende "Bilderbuchehe" geführt bis die böse Sekretärin das Glück zerstörte. 200 geschaßte Ehepartner benutzen in North Carolina jedes Jahr das antiquierte Gesetz und verklagen die Verführer bzw. Verführerinnen ihrer Ehepartner meist ohne Erfolg. Immerhin aber erhielt zuletzt im Januar Lynn Blackwell Falls 1,2 Millionen Dollar zugesprochen, nachdem ihr Mann beim Sex mit einer Angestellten auf dem Boden eines Konferenzraumes gefilmt worden war. Experten befürchten nun eine Lawine von Klagen. Auf die Frage von "Today"-Moderator Matt Lauer, ob zum Ehebruch nicht immer zwei gehörten und ihr Ex-Ehemann folglich ebenfalls eine "Ratte" sei, antwortete Dorothy Hutelmyer: "Ich würde nicht sagen, daß er eine Ratte ist. Joe ist ein guter Mensch. Aber er hat ein paar schlechte Entscheidungen gemacht." Prozeß-Beobachter wie Dr. Reverend Patrick ONeill von der Erzdiözese in Miami sehen in dem Geschworenenbeschluß ein Symptom für die Verzweiflung, mit der viele Amerikaner versuchen, die Institution der Ehe zu bewahren. Die USA haben mit über 50 Prozent die weltweit höchste Scheidungsrate. Auch für Margie und Joseph Hutelmyer sind die Chancen nicht rosig: Bei Zweitehen liegt die Rate sogar bei 67 Prozent. [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 12.08.1997]
|