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Datum:   19.08.1997
Ressort:   Vermischtes
Autor:   Marc Fest

Comeback mit dem Gesicht des Vaters

US-Schauspieler Peter Fonda wird für seinen neuen Film "Ulee·s Gold" heftig gelobt ­ und mit Henry Fonda verglichen

Vom Rocker zum Klassiker: Peter Fonda, der einstige "Easy Rider", hat endlich einen vernünftigen Haarschnitt und nach über 20 Jahren einen unerwarteten Filmerfolg. Nebenbei rechnet er mit seinem Vater ab.

Es ist ein Comeback, mit dem niemand mehr gerechnet hat. Denn Peter Fonda hatte seinen letzten Hit mit "Easy Rider" vor mehr als 25 Jahren. Damals spielte der Sohn Henry Fondas den Drogendealer "Captain America". Er und sein nicht weniger verkiffter Freund Billy (Dennis Hopper) verkaufen in dem Film eine Ladung harter Drogen, entfliehen der Polizei und überqueren den Kontinent von West nach Ost auf ihren getunten Harley-Davidson-Motorrädern, um zwischendurch in diversen Kommunen und Bordelle abzusteigen. Eine Hommage an den LSD-Rausch ­ Peters berühmter Vater Henry Fonda, Inbegriff für Anständigkeit und Patriotismus, war nicht amüsiert.

Doch "Easy Rider" spielte über die Jahre 70 Millionen Dollar ein, machte die beiden Ko-Produzenten Hopper und Fonda Junior reich. Doch nur Hopper und vor allem Easy-Rider-Nebendarsteller Jack Nicholson wurden zu Superstars. Peter Fonda dagegen konnte das Image des kiffenden Harley-Rockers mit der hüftlangen Mähne nie abschütteln. Und wollte es auch gar nicht. Mit einer Serie von zweitklassigen B-Movies der verschiedensten Genres ­ von Western über Science-fiction bis zum Vampirfilm ­ zementierte er in den Jahrzehnten danach sein Image. Der ewige Hippie. In dem Film "Flucht aus L.A." spielte er im letzten Jahr in einer Mini-Rolle sich selbst: eine Art Penner mit Surfbrett, natürlich langhaarig, verschmiert, aussätzig. Peter Fonda wie man ihn bisher kannte: ein Kultstar im ewigen Abseits. Henrys ungeliebter Sohn (seine Mutter brachte sich um, als er zehn war). Inzwischen 57 Jahre alt, steckte Fonda noch immer in einer Art Trotzphase.

Kein Wunder also, daß seine neueste Rolle die Kritiker gelinde gesagt überrascht hat. In "Ulee·s Gold" spielt er den zurückgezogenen Bienenzüchter und Kriegsveteranen Ulee, der seine beiden Enkelkinder vor gefährlichen Gangstern rettet und dabei die Liebe wiederentdeckt. Fonda hat sich für die Rolle seine Haare schneiden lassen. Noch bemerkenswerter: die Figur des stoischen, zunächst so menschenfeindlichen Ulee gleicht auf beinahe unheimliche Weise dem verstorbenen Henry Fonda.

Und weil der zwar ein grandioser Schauspieler war, aber ein miserabler Vater, hat "Ulee·s Gold" etwas von einer öffentlichen Selbsttherapie. Verkleidet mit dem Gesicht von Henry schleicht sich Peter als mißratener Sohn eines lieblosen Vaters in das Gefängnis seines eigenen Lebens und entschärft dort quasi eine biographische Bombe. Nebenbei liefert er eine famose Schauspielleistung ab ­ die "beste seiner Laufbahn", meint das "Variety"-Magazin.

Bei der Premiere des Films auf dem kalifornischen Sundance-Filmfestival hielt Festival-Gründer Robert Redford, persönlich eine Lobrede auf "Ulee·s Gold". Für Fonda bedeutet sein unerwarteter Erfolg einen doppelten Durchbruch: "Nach all diesen Jahren sehen mich die Leute endlich nicht mehr nur als Motorrad-Typen mit Joint im Mund." Dieser Film ist mehr als der Beginn einer neuen Karriere. "Ich kenne Ulee nur allzu gut", erklärt Peter Fonda. "Er ist ein störrischer Mann mit einem Gesicht ohne jede Spur von Zärtlichkeit. Er ist mein Vater." Es sei hart gewesen, erklärt Peter Fonda, mit einem Vater aufzuwachsen, der seinen Sohn beim Abendessen vollkommen ignorierte. Der fünfmal verheiratete Henry Fonda soll ein gefühlskalter Schweiger gewesen sein, ein Vater, der von der modernen Schauspielerei seiner Kinder ganz und gar nichts hielt.

Peters berühmtere Schwester, die doppelte Oscar-Preisträgerin Jane Fonda, rebellierte auf ihre Weise gegen die Lieblosigkeit des Vaters: als linke Politaktivistin schlug sie sich während des Vietnamkrieges auf die Seite der Vietnamesen; ein Foto von Jane Fonda, rittlings auf einer Fliegerabwehrkanone in Hanoi, ging um die Welt. Nebenbei durfte es auch seinen privaten Zweck erfüllt haben: den patriotischen Vater Henry Fonda zu schockieren. Inzwischen hat sie ihren Politaktivismus allerdings aufgegeben und ist mit CNN-Medienmogul Ted Turner verheiratet.

Peter Fonda, der stets sehr stolz von seinen eigenen Kindern Bridget, Justin und Tom spricht, will die Probleme mit dem berühmten Vater demnächst in einer Autobiographie genauer schildern. Zum Beispiel wie er seinen Vater in den 70er Jahren zu einem Gastauftritt in einem seiner B-Filme überreden wollte. Henry Fonda hatte in dieser Rolle, welch ein Zufall, den Satz "Ich liebe Dich, mein Sohn" zu sprechen. Als Peter seinem Vater die Rolle am Telefon erklärt, habe Henry nur "Arrggg" gesagt und aufgelegt.

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