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Unterricht im Klavier- und LiebesspielHeute wird das Urteil gegen eine US-Lehrerin gesprochen, die einen 13jährigen Schüler verführteMary Katherine LeTourneau ist eine "Kinderschänderin" mit ungewöhnlich hoher Popularität. Bei ihren Kollegen an der High School nahe Seattle etwa, wo sie im letzten Jahr einem 13jährigen Schüler nicht nur das Klavier-, sondern auch das Liebesspiel beibrachte, genießt die Lehrerin nach wie vor hohe Sympathie. Dabei hat die 35jährige mit ihrem Lieblingsschüler sogar ein Kind gezeugt und im Mai eine gesunde Tochter zur Welt gebracht. Shirley Hodgson, Personalchefin der Schule, hält trotzdem eisern zu LeTourneau. Sie sei ein guter Mensch und eine gute Lehrerin, versichert Hodgson im Chor mit Schuldirektor und Lehrerkollegium. Auch Gerichtspsychologen sehen keine "kriminelle Veranlagung" bei der Musterlehrerin. Eltern diverser Schüler klagen gar, selbst "Lady Di würde LeTourneau als Lehrerin nicht ersetzen können", und viele ehemalige Schüler fühlen sich nach der Suspendierung ihrer Lieblingslehrerin "traumatisiert". Die Mutter des verführten Jungen hat LeTourneau sogar zwischenzeitlich vergeben. Und das mittlerweile 14jährige "Opfer" verkündet weiterhin unsterbliche Liebe für seine Lehrerin. Heute spricht ein Gericht in Seattle (US-Bundesstaat Washington) das Urteil gegen LeTourneau. Die Mutter von vier Kindern im Alter zwischen drei und zwölf Jahren hatte sich bereits während einer Vorverhandlung am 7. August unter heftigen Weinkrämpfen des sexuellen Kindesmißbrauches schuldig bekann und war sofort in Untersuchungshaft gekommen. Die verhängnisvolle Affäre hatte bereits vor fast fünf Jahren ihren Anfang genommen. Damals fiel LeTourneau ihr späterer Liebhaber zu diesem Zeitpunkt noch neunjährig unter den neuen Zweitkläßlern auf. "Wir hatten sofort einen besonderen Kontakt", so Mary Katherine LeTourneau. "Er war etwas Besonderes, jemand, von dem ich das Gefühl hatte, daß er für immer in meinem Leben bleiben würde." LeTourneau ermunterte den Jungen zum Klavierspiel und kaufte ihm eine Malausrüstung, um sein künstlerisches Talent zu fördern. Nach vier Jahren waren die beiden, so LeTourneau, zu "besten Freunden geworden". Der Junge war seiner Entwicklung dabei sowohl physisch, als auch geistig weit voraus. Seine eigene Mutter beschrieb ihn oft als "eine reife Seele, gefangen in einem jungen Körper". Im Sommer letzten Jahres überraschte der gerade 13jährige seine Lehrerin mit einem Ring aus Silber. Der Polizei berichtete er später, er habe ihr den Ring auf den Finger gesteckt, ihn dann wieder abgezogen, während sie sich "tief in die Augen schauten". Dies sei ein Wendepunkt für ihn gewesen kurz danach begann der Sex. Zu jenem Zeitpunkt befand sich LeTourneaus Ehe bereits in der Krise. Ihr Mann Steve fand dann wenig später die Liebesbriefe des Jungen, der gegenüber dem gehörnten Ehemann bei einem Treffen die Beziehung freimütig eingestand. Ein Verwandter von Steve LeTourneau alarmierte schließlich die Polizei und die Ermittlungen nahmen ihren Lauf. Das Ehepaar lebt inzwischen in Scheidung. Der Ehemann ist mit den vier Kindern nach Alaska ausgewandert, das Haus der Familie steht zum Verkauf. Mary LeTourneau selber wird niemals mehr unterrichten dürfen. Ihr minderjähriger Liebhaber befindet sich in psychologischer Behandlung und wird von seiner Familie vollkommen abgeschirmt. "Was ich getan habe, ist furchtbar und inakzeptabel", gesteht LeTourneau derweil. Allerdings empfinde sie für ihren ehemaligen Schüler nach wie vor "romantische Gefühle". Experten für Sexualdelikte sehen die Lage weniger romantisch: "Frauen, die mit Minderjährigen Sex haben, neigen allgemein dazu, ihre Tat als Liebesaffäre zu beschreiben. Doch unterm Strich handelt es sich trotzdem um Ausnutzung", so Florence Wolfe, Vizedirektorin einer Beratungsstelle für Sexualstraftäter in Seattle. Und LeTourneaus Ankläger meinten, daß die Lehrerin dem Jungen "für immer die Jugend geraubt" habe. Das frühreife Opfer selber jedoch bekundete in einem Interview indes seine Frustration darüber, wie ein Kind behandelt zu werden: "Ich weiß, daß alle nur das Beste für mich wollen. Aber niemand fragt mich nach meiner Meinung. Ich will, daß die Leute aufhören, mich als Opfer zu betrachten. Wer sind diejenigen, die mich als zu jung bezeichnen, wenn sie mich nicht einmal persönlich kennen?" Die größte Hoffnung des 14jährigen ist, seine Tochter irgendwann einmal zusammen mit seiner großen Liebe LeTourneau aufziehen zu können. Nur wenige Wochen vor dem Urteilsspruch hatte der Prozeß um LeTourneau eine zusätzliche, bizarre Wendung genommen, als amerikanische Zeitungen die Identität ihres Vaters enthüllten: bei dem 67jährigen handelt es sich um John Schmitz, einen Politiker, der in den 70er Jahren für eine unabhängige Partei sogar als Präsidentschaftskandidat gegen Richard Nixon angetreten war. Der ultrakonservative Schmitz hatte 1982 in einem aufsehenerregenden Skandal seine politische Karriere ruiniert. Ähnlich wie seine Tochter 15 Jahre später hatte Schmitz damals eine langjährige Affäre mit einer Studentin aus einem seiner Universitätsseminare gehabt und dabei zwei Kinder gezeugt. [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 29.08.1997]
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