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Kommt "Old Sparky" ins Museum?Warum in Florida über die Abschaffung des elektrischen Stuhles debattiert wirdMIAMI, 10.September. Keiner weiß mehr so genau, seit wann der altgediente elektrische Stuhl des Staates Florida kumpelhaft "Old Sparky" genannt wird, "alter Funke". Fest steht aber, daß "Old Sparky" vor kurzem heftige Diskussionen ausgelöst hat. Bei der Hinrichtung des Frauenmörders Pedro Medina tat er nämlich genau das, was sein Spitzname nahelegt: Funken sprühen. Um den Kopf des Todeskandidaten prasselte ein regelrechtes Feuerwerk. Nachdem der hinter einem Vorhang versteckte Elektro-Henker den Strom abgestellt hatte, diagnostizierte der zuständige Arzt bei Medina Pulsschläge, die das Herz des Mörders eigentlich nicht mehr hätte produzieren sollen. "Old Sparkys" Fehlfunktion droht nun eine zutiefst amerikanische Ära zu beenden: die der Hinrichtung per Strom. Als der elektrische Stuhl 1890 erfunden wurde, priesen Experten ihn als die humanste, schnellste und modernste Methode der Hinrichtung. Fortan ersetzten die neuen Stühle immer öfter den Strick, welcher Hinrichtungen allzu oft zu einem qualvoll langen Todeskampf gemacht hatte. 1924 verfertigten Gefängnisinsassen in Florida "Old Sparky" aus stabilem Eichenholz. 235 Männer mußten sich seitdem auf dem Stuhl mit der unbequem kreuzgraden Rückenlehne niederlassen. Alle starben angeblich so, wie es die amerikanische Verfassung in ihrem Absatz gegen "grausame und ungewöhnliche Bestrafung" vorschreibt: prompt und schmerzlos. Die grausig anzusehenden Muskelkrämpfe bei einer Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl ließen an der angeblichen Schmerzfreiheit jedoch immer wieder Zweifel aufkommen - und das nicht nur bei Heimwerkern, die mit Schocks aus der Steckdose ihre Erfahrung haben. Von 38 US-Bundesstaaten mit der Todesstrafe bevorzugen daher inzwischen 32 die Exekution per Todespritze. Die verabreicht dem Todeskandidaten zunächst ein starkes Narkotikum und dann eine Substanz zur Muskelentspannung. Schließlich sorgt eine Ladung Kaliumchlorid unsichtbar für den Herzstillstand. Der Tod kommt gewissermaßen im Schlaf. Einige Politiker in Florida verteidigen "Old Sparky" dennoch standhaft und pflegen in dem traditionell konservativen Staat mit markigen Kommentaren ihr Image als Hüter von Gesetz und Ordnung. Generalstaatsanwalt Bob Butterworth ging nach "Old Sparkys" Fehlzündung im März sogar soweit, Kriminelle davor zu warnen, in Florida Verbrechen zu begehen "Alter Funke" könne ja auch bei Ihnen eine Panne haben "Sparkys" Anhänger beteuern derweil in gerichtlichen Anhörungen standhaft die angeblichen Qualitäten des elektrischen Stuhls: Der Gehirntod und damit totale Schmerzunempfindlichkeit komme bei 2300 Volt Spannung und 9,5 Ampere in Sekundenbruchteilen. Gegner des Stuhles präsentieren Wissenschaftler wie den Neurophysiologen Donald Price vom Medical College in Virginia. Price habe bei seiner Untersuchung die Gehirnzellen von Pedro Medina nach dem Hinrichtungsdesaster im März vollkommen intakt vorgefunden. Es sei also möglich, daß ein Mann bei einer Hinrichtung bei Bewußtsein bleibe und Schmerz empfinde. Generalstaatsanwalt Bob Butterworth hat es sich denn auch inzwischen wieder anders überlegt und befürwortet die Todesinjektion. Floridas Gouverneur Lawton Chiles ist ebenfalls bereit zum Wechsel. Und auch die staatliche Gefängniskommission hat sich gegen "Old Sparky" ausgesprochen. Das letzte Wort will das Oberste Gericht Floridas noch diesen Monat sprechen. [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 11.09.1997]
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