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Verschollen in der WüsteFilmreif: Gary Devore, Drehbuchautor aus Hollywood, ist seit drei Monaten spurlos verschwundenEs war wie bei jenem legendären Ehemann, der mal eben eine Packung "Camel" holen geht und plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist. Die 51jährige Wendy Devore hörte die Stimme ihres Mannes Gary, eines erfolgreichen Drehbuchautoren aus Los Angeles, zum letzten Mal am 27. Juni, 28 Minuten nach Mitternacht. Der Anruf von seinem Funktelefon, so verzeichnete es der Computer der Telefongesellschaft, erfolgte irgendwo in der Mojave-Wüste, zwischen Los Angeles und Las Vegas. Noch kurz vorher, das erkannte die Polizei später aus einem Visa-Kreditkarten-Beleg, hatte der 55jährige in der Ortschaft Fenner seinen nagelneuen Ford Explorer Jeep aufgetankt. "Ich bin in drei Stunden da, Liebling", waren die letzte Worte des Drehbuchautors ("Time Cop") an seine Frau. Als er schließlich fünf Stunden überfällig war, alarmierte Wendy Devore voller Panik die Polizei. Gary Devore, der unter anderem für Schwarzenegger und Jean-Claude Van Damme schrieb, ist seitdem spurlos verschwunden inklusive seines weißen Geländewagens. Seine Frau begleitete die Polizei verzweifelt auf langen Suchflügen im Hubschrauber sie fanden nichts. Bluthunde stöberten zwar eine Leiche ohne Kopf auf, doch deren Hände gehörten, das war sofort klar, einem anderen. Denn Devores rechter Kleiner Finger ist verkrüppelt. Abtauchen ist einfach Privatdetektive tappen bis heute im dunkeln. Ein Beitrag in der Fernsehsendung "Americas most wanted" (die US-Variante von "Aktenzeichen XY ungelöst") brachte auch keine Hinweise aus der Bevölkerung. Eine befreundete Hellseherin wähnt Devore immerhin am Leben, mit einer "Verletzung am Kopf, vielleicht ohne Gedächtnis". Seit seinem mysteriösen Verschwinden steht Devore nun in der Vermißten-Datenbank des FBI als eine von zur Zeit 100 656 "missing persons" in den USA, so eine FBI-Sprecherin zur Berliner Zeitung. Jeden Monat kommen rund 1 400 dauerhaft verschwundene Menschen hinzu. Über 70 000 Menschen werden monatlich als vorübergehend vermißt gemeldet, um sich danach in über 80 Prozent der Fälle wieder anzufinden. Neben entführten Kindern sind es statistisch gesehen zumeist Männer, die sich oftmals freiwillig in Luft auflösen, vor allem bei Ärger mit dem Gesetz oder mit der Ehefrau. Abtauchen und Identitätswechsel als Alternative zum Selbstmord sind in den USA besonders beliebt und einfach: als erstes brauche man nach seinem Verschwinden eine Postfach-Adresse, empfahl unlängst ein Artikel im Wirtschaftsmagazin "Forbes". Danach müsse man nur noch den Namen eines Toten annehmen und sich dessen Geburtsurkunde neu ausstellen und zusenden lassen. Meistens sei das alles kein Problem. So mußte sich auch Wendy Devore trotz ihrer Verzweiflung von der Polizei einige Fragen über ihre Ehe und finanzielle Probleme ihres Mannes gefallen lassen. Doch im Falle Gary Devore spricht vieles gegen ein freiwilliges Abtauchen und manches für ein Gewaltverbrechen. Da wäre der Umstand, daß Devore während seiner Tage in Santa Fé nach eigenen Worten "ein kreativer Durchbruch" bei der Arbeit an einem neuen Drehbuch gelungen war. Bei der Verfilmung des Skripts wollte er erstmals auch Regie führen. Laut seiner Gastgeberin in Santa Fé, der Schauspielerin Marsha Mason, habe sich der ehemalige Lastwagenfahrer Devore "in Hochstimmung" auf die 12stündige Rückfahrt zu seiner Frau nach Santa Barbara County, 150 Kilometer nördlich von Los Angeles, gemacht. Mit Wendy Devore war Gary erst seit 18 Monaten in vierter Ehe verheiratet. Allerdings waren seine finanziellen Verhältnisse nicht ungetrübt: als Erblast aus seiner ersten, 1979 geschiedene Ehe mit Maria Cole, der Witwe des Sängers Nat King Cole, mußte sich Devore seit Jahren mit einem Steuerprozeß herumschlagen. Kleidete sich wie ein Cowboy Dabei ging es immerhin um eine Summe von zwei Millionen Dollar. Doch Devores Freunde und seine Frau glauben weiterhin fest an ein "Car-Jacking", eine Autoentführung, irgendwo auf einem finsteren Abschnitt mitten in der Mojave-Wüste so überraschend, daß Gary Devore, der sich gerne wie ein Cowboy kleidete, nicht einmal mehr rechtzeitig nach seinem 45erRevolver in dem Handschuhfach greifen konnte. [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 13.09.1997]
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