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BerlinOnline


Datum:   30.09.1997
Ressort:   Vermischtes
Autor:   Marc Fest

Diana und die Detektive

Wilde Theorien im Internet zum Tod der Prinzessin

MIAMI, 29. September. Während die Trauer um den Tod von Diana langsam abebbt, kursieren im weltweiten Computernetz Internet die wildesten Verschwörungstheorien über den angeblich wahren Unfallhergang. "Innerhalb von Minuten nach der ersten Agenturmeldung über ihren Unfall ging bei uns die erste E-Mail ein", erzählt Jonathan Vankin von "conspire.com", einer Seite auf dem WorldWideWeb, die sich auf Verschwörungstheorien spezialisiert hat: Diana sei, so die elektronische Botschaft, vom Britischen Geheimdienst MI 5 getötet worden.

Verschwörungstheoretiker haben seit der Schicksalsnacht am 31. August weltweit mindestens ein halbes Dutzend sogenannter "Websites" installiert; das sind Internet-adressen, unter denen ein Nutzer beliebige Informationen bereitstellen kann, die von jedem anderen Nutzer abgerufen werden können. Auf diesen Websites erklären die Anbieter, daß der Unfall alles mögliche gewesen sein könne ­ nur kein normaler Unfall. Im Usenet, der elektronischen Klatsch- und Tratschecke des Internet, gibt es sogar ein eigenständiges Forum zum Thema: "alt.conspiracy.princess-diana".

Von der Königsfamilie beseitigt Die populärsten Theorien: Diana sei von der Königsfamilie oder vom Britischen Geheimdienst getötet worden. Motiv Nummer 1: Dodi al-Fayed, als Moslem, sollte auf keinen Fall Stiefvater des zukünftigen Königs, Prinz William, werden. Motiv Nummer 2: Diana mußte beseitigt werden, damit Prinz Charles seine eigentliche Liebe, Camilla Parker-Bowles heiraten kann. Ein anderes Szenario ähnelt einem Geheimdienstkrimi noch viel mehr: Internationale Waffenkartelle haben demnach einen Killer geschickt, um Dianas Kampf gegen die Landminen zu beenden.

Sehr beliebt ist auch die "Elvis-Theorie": Diana habe ihren eigenen Tod vorgetäuscht, um abzutauchen und ein neues Leben anzufangen. Berichte in den Boulevardblättern über Diana-Erscheinungen seien nur noch eine Frage der Zeit.

Manipulierte Bilder Das Problem mit solchen "Meldungen" aus dem Internet: Jeder Nutzer mit zum Beispiel einem T-online oder AOL-Zugang kann seine Version der "Fakten" mühelos in die ganze Welt verbreiten. Immer raffiniertere Photo-Programme ermöglichen dabei auch die Manipulation von Bildern. So geschehen unlängst mit einem dramatischen Photo von Diana, eingeklemmt und blutüberströmt in dem zerquetschten Unfall-Mercedes. Die Webseite "www.rotten.com" präsentierte die Fälschung als erstes, prompt verbreiteten die italienische Nachrichtenagentur Ansa und der italienische Fernsehsender "Canale 5" das Machwerk. Die Macher von "www.rotten.com" verteidigten die Verbreitung der Photofälschung später als Teil ihrer Kampagne gegen Internetzensur. Denn nicht immer komme aus dem Internet nur Nachrichtenmüll: Während des Golfkrieges und auch während des Putsches in Moskau erreichten wichtige Informationen die Außenwelt nur über das Internet.

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