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BerlinOnline


Datum:   14.03.1998
Ressort:   Vermischtes
Autor:   Marc Fest

Drei Filme und ein Baby

Jodie Foster hat offiziell verkündet, schwanger zu sein liefert sie ihr Coming-out als Lesbe nach?

NEW YORK/MIAMI, 13. März. Seit Jahren gelingt es Jodie Foster, ihre Privatsphäre streng abzuschirmen. Sie weigert sich daher auch standhaft, Fragen nach ihrer sexuellen Orientierung zu beantworten. Doch die doppelte Oskarpreisträgerin ("Angeklagt", "Das Schweigen der Lämmer") hat es nicht leicht: In einer unautorisierten Biographie plauderte ihr Bruder im vergangenen Jahr Intimes über seine berühmte Schwester aus ("Ich habe immer angenommen, daß Jodie lesbisch oder bisexuell ist"). "Fosters Tarnung fliegt auf", titelte das Boulevardblatt "New York Post" damals.

Vater unbekannt

Seit Dezember häuften sich nun Gerüchte über angebliche Versuche der 35jährigen, durch eine künstliche Befruchtung und mit Hilfe eines anonymen Samenspenders schwanger zu werden. Nach diversen Dementis kam jetzt die offizielle Bestätigung aus dem Mund der Schauspielerin selber zumindest, was den Nachwuchs betrifft: "Ja, ich bin schwanger. Und ich könnte nicht froher sein", enthüllte Foster in der letzten Woche auf einer Party zum 75. Geburtstag des Nachrichtenmagazins "Time" gegenüber der Kolumnistin Liz Smith von der "New York Post". Viel mehr verriet sie allerdings nicht: "Aber nein, ich werde weder über den Vater sprechen noch über die Methode oder irgend etwas anderes in dem Zusammenhang." Die Schauspielerin plant, ihr Kind allein aufzuziehen ("so wie meine Mutter mich aufgezogen hat"); ob das Kind ein Junge oder Mädchen werde, sei ihr "egal". Mit dem Wort "Methode" machte der Filmstar natürlich Dampf in den Gerüchteküchen. Die Moderatoren von Radio-Talkshows ersannen sofort eine Reihe von Witzen, deren Qualität in den meisten Fällen als frauen- und lesbenfeindlich einzustufen ist. Der britische "Mirror" berichtet süffisant, die künstliche Befruchtung habe erst nach dem fünften Versuch funktioniert. Fernsehshows wie "Entertainment Tonight" spekulieren über die Identität des Vaters. Und im Internet zerbrechen sich Cyber-Klatschbasen den Kopf darüber, warum Foster bei der Verleihung der Golden Globes trotz Schwangerschaft Champagner getrunken hat. Die Gerüchte über die Schwangerschaft begannen, als Foster im Dezember abrupt ihre Rolle in dem Filmprojekt "Double Jeopardy" niederlegte. Beobachter spekulierten sofort über eine mögliche Krankheit oder eine Schwangerschaft. Gegenwärtig arbeitet Foster als Produzentin an drei Filmprojekten, darunter ironischerweise eines mit dem Titel "Baby Dance". In dem Film geht es um ein reiches, aber unfruchtbares Ehepaar, welches ein Baby von einer armen Südstaatenfamilie kauft.

Versuchskaninchen

Falls Jodie Foster tatsächlich lesbisch ist, überlegt sie vielleicht, welche Strategie langfristig besser ist: weiterhin "kein Kommentar" oder ein Coming-out, sprich die Offenbarung ihrer sexuellen Orientierung. Die offen lesbische Schauspielerin Anne Heche, Freundin des TV-Stars Ellen DeGeneres, fungiert in dieser Sache zur Zeit als Versuchskaninchen: An der Seite von Harrison Ford ist Heche im Juni in der romantischen Abenteuerkomödie "Six Days, seven Nights" in den US-Kinos zu sehen. Wird das Publikum eine offen lesbische Schauspielerin in einer romantischen, heterosexuellen Rolle akzeptieren? Die Antwort auf diese Frage dürfte nicht nur Filmkritiker und Studiobosse brennend interessieren.

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