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Pistolen aus dem Waffenschrank des GroßvatersNach den tödlichen Schüssen in Jonesboro beginnt die Debatte um den Besitz von SchußwaffenJONESBORO, 26. März. Als ihn die Nachricht von der Schießerei in der Schule von Jonesboro erreichte, eilte auch Mitchells Vater panisch in die nahe Schule voller Angst, sein Sohn könnte zu den Opfern gehören. Am Ziel erfuhr der besorgte Vater dann, daß sein 13jähriger Sohn nicht im Krankenhaus, sondern gemeinsam mit seinem 11jährigen Cousin auf dem Weg ins Gefängnis sei unter dringendem Tatverdacht. Die kaltblütige Tat löste in Jonesboro so heftige Emotionen aus, daß der Richter die Jungen nach einer Anhörung persönlich in die Strafanstalt fuhr, um ihre Sicherheit nicht zu gefährden. Die Staatsanwaltschaft in Arkansas suchte gestern bereits nach Möglichkeiten, zumindest dem Älteren nach Erwachsenen-Strafrecht den Prozeß zu machen. Vier Schülerinnen und eine Lehrerin sind erschossen und zehn weitere Mädchen teilweise schwer verletzt worden, weil Mitchell von seiner 11jährigen Freundin Candace verlassen worden war. "Morgen werdet ihr herausfinden, ob ihr lebt oder sterbt", hatte Mitchell seinen Klassenkameraden noch am Montag gedroht. "Alle hassen mich und ich hasse alle", soll er gesagt haben. Am Mittwoch morgen nahmen er und sein 11jähriger Cousin Andrew dann gezielt die Mädchen unter ihren 300 Schülern ins Visier der zehn Gewehre und Pistolen, die die beiden aus dem Waffenschrank von Andrews Großvater gestohlen hatten. Auf Entenjagd Andrew Golden, dessen Eltern begeisterte Sport-Schützen sind, wurden die Waffen buchstäblich in die Wiege gelegt: "Wir haben ihm Erbsenpistolen gekauft, da konnte er noch nicht einmal laufen", erinnert sich sein Großvater Doug Golden in einem Interview. "Als nächstes bekam er dann ein Luftgewehr und schließlich Pistolen und Gewehre." Im letzten Jahr habe sein Enkel voller Stolz seine erste Ente geschossen. "In der nächsten Saison wollten wir es mit Rehen versuchen." Die Tragödie hat in Amerika die Debatte um den Besitz von Feuerwaffen neu entfacht: "Wenn Sie die Handfeuerwaffen durch Steinschleudern ersetzen, dann gäbe es diese Tragödie nicht", sagt Dr. Kathy Kauffer Christoffel, Gründerin einer Ärztevereinigung, die die Verbreitung von Schußwaffen als ein "gesundheitliches" Problem der Gesellschaft sieht. "Ohne die Waffen hätten wir es hier nur mit einem frechen Jungen-Streich zu tun." Weniger als 24 Stunden nach der Schießerei haben sich naturgemäß die ersten Politiker im US-Kongreß zu Wort gemeldet: "Jede Schußwaffe sollte mit einem kindersicheren Schloß versehen sein", forderte beispielsweise Charles Schumer, ein demokratischer Kongreßabgeordneter aus New York. Die National Rifle Association (NRA), Amerikas einflußreichste Vereinigung für die Besitzer von Schußwaffen, bekundete in einer Pressemitteilung "Entsetzen, Schock und zutiefst empfundenen Schmerz" angesichts der Tragödie. Deren Ursachen hätten allerdings weniger mit Waffen, sondern mehr mit der "Gesellschaft selber" zu tun. Die NRA hat bereits vor Jahren die Comicfigur "Eddie der Adler" entwickelt, um Kinder von Schußwaffen fernzuhalten. In einem Song singt Eddie: "Stop, nicht berühren, ich bin Eddie, der Adler, ich mag dich zu sehr und sag dir daher: siehst du eine Schußwaffe, laufe einfach weg." Kritiker befürchten, daß Eddie der Adler Kinder mit seinem gesungenen Verbot nur umso neugieriger auf Schußwaffen mache. [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 27.03.1998]
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