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Herzliches Beileid zum Ableben des HaustieresDer amerikanische Grußkartenhersteller Hallmark hat sein Sortiment erweitertMIAMI, im Juli. Nach umfangreichen Marktstudien hat der amerikanische Grußkartenkonzern Hallmark unlängst sein neuestes Produkt präsentiert: die Selbstmordkarte. Konzipiert für Hinterbliebene von Selbstmördern, zeigt das Aquarellmotiv auf der Karte ein kleines Segelboot vor einem pastellblauen Horizont. Der Text drückt sorgfältig formuliertes Mitleid aus: "Wenn jemand, den wir lieben, aus dem Leben flieht, ist es so schwierig zu verstehen ." Mit seiner neuen Produktoffensive nimmt sich der weltweit größte Grußkartenhersteller mit über 350 neuen Karten auch andere, bisher vernachlässigte Lebensbereiche vor. So gehören unheilbare Krankheiten, Drogenentzug, Entlassungen, Naturkatastrophen, Cloning, unkonventionelle Lebensformen, das Internet und der Tod eines Haustieres zu den Lebenslagen, für die sich in den Kartenabteilungen von amerikanischen Supermärkten jetzt die passende Grußkarte finden läßt. Angesichts der sozialen Trends vor der Jahrtausendwende sei es "eindeutig Zeit, mehr zu sagen als nur gute Besserung", sagt Rachel Bolton, Sprecherin des Kartenkonzerns aus Kansas City. Als Beispiel nennt sie Krankheiten wie Aids, bei denen die üblichen Genesungswünsche "unangebracht" seien. Während Kritiker die Selbstmordkarte als geschmacklose Kommerzialisierung geißeln, verteidigt Bolton deren Vorteile: Gerade in heiklen Situationen wie nach einem Selbstmord bleibe "das Beileid oft ungesagt, da vielen Menschen die richtigen Worte fehlen". Dieser "Kommunikationszusammenbruch" hinterlasse bei vielen Hinterbliebenen ein Gefühl der Isoliertheit. "Hier helfen unsere Karten als eine Art verbales Carepaket." Bei emotionalen Themen halten sich die Karten-Texter des 1910 gegründeten Konzerns an einen alten Grundsatz: "Niemals die Sache direkt beim Namen nennen." Anstelle von "viel Erfolg beim Drogenentzug" versichert die entsprechende Karte daher: "Du bist stärker als Du glaubst. Ich kann das sehen." Auch in den Geschäftsregalen wird Hallmark die neuen Karten nicht unter Rubriken wie "Selbstmord" oder "Entlassung" einsortieren, sondern unter taktvollen Begriffen wie "spezielle Anlässe" oder "vorzeitiger Tod". Der deutsche Bürowarenhersteller Herlitz, der den deutschen Zweig von Hallmark unlängst aufkaufte, erkennt für Selbstmordkarten "aufgrund der deutschen Mentalität" vorerst keinen Markt, so Firmensprecherin Silke Ketzer. Hier sei derzeit die Nachfrage nach Karten groß, die "wie selbstgemacht aussehen". Unterdessen entwerfen die Hallmark-Texter bereits die nächste Kartengeneration. "Trostworte aus dem Jenseits" lautet der Arbeitstitel. [zurück zu den Suchergebnissen] [Neue Suchanfrage] [Weitere Artikel vom 21.07.1998]
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