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T930201.121 TAZ Nr. 3923 Seite 20 vom 01.02.1993
49 Zeilen von TAZ-Bericht marc fest
Weshalb "Focus" so stinkt
Weshalb "Focus" so stinkt
Berlin (taz) - Wenn die Nachricht schlecht riecht: Wer in
Focus probehalber reinschnuppert, rümpft nicht selten die Nase.
Nicht nur, weil das neue Burda-Blatt schon im ersten Heft in Schleim- und
Kriechstellung versunken ist, sondern auch, weil Deutschlands zweites
Nachrichtenmagazin schlicht und einfach stinkt - nach Lösungsmittel.
Einige Leser haben sogar über allergische Reaktionen während der Lektüre
geklagt. Die taz ermittelte deshalb mit einem vergleichenden Schnuppertest in
Berliner Kiosken: Focus stinkt nicht nur am meisten, sondern auch
erheblich penetranter als der Spiegel. Und ebenfalls stärker als
die Bunte. Eventuelle Verdunstungseffekte sind bei dem Test
berücksichtigt: Beschnüffelt wurden die Magazine am jeweiligen
Erscheinungstag.
Das Darmstädter Öko-Institut vermutet Terpen als Übeltäter; ein Experte des
Bundesumweltamtes tippt auf Toluol, "ein beim Tiefdruck gängiges
Lösungsmittel, daß bei sehr hoher Konzentration zu Schleimhautreizungen und
Kopfschmerzen führen kann". Das glatte Papier und der aufwendige
Vierfarbendruck von Focus "könnten die Ausdünstungen verstärken".
Die Burda-Drucker tragen, wenn nicht Gasmasken, so offensichtlich einen
Maulkorb: Auskünfte dürften nur Chefredakteur Markwort oder Verlagsleiter
Volkenand persönlich geben. "Wir haben auch schon geschnuppert", gesteht denn
auch Helge Volkenand. Dieser: "Ich weiß nicht, ob nicht vielleicht in der
Druckerei experimentiert wird. Außerdem ist kein anderes Magazin so schnell
draußen wie wir. Frische Brötchen riechen eben auch anders als alte."
Marc Fest