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T931206.131 TAZ Nr. 4181 Seite 14 vom 06.12.1993
79 Zeilen von Kommentar marc fest
Standbild
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Raus, bevor's schlapp wird
Letzte "Schmidt-Mitternachtsshow", Sa., 22.00 Uhr, N3
Schweres, schwules Geschütz fuhr Corny Littmann noch einmal auf, um aus der
letzten "Schmidt-Mitternachtsshow" ein großes Abschiedsspektakel zu machen:
Diseusen-Diva Georgette Dee sang mitreißend vom Arsch, Marianne Rosenberg
intonierte sichtlich widerwillig ihre Homo-Hymne "Ich bin wie du", und Hella
von Sinnen forderte pflichtbewußt, "die homosexuelle Lebensgemeinschaft an
sich abzusichern". Dazu ließ der NDR echte, unzensierte (aber schlaffe) Dödel
über den Bildschirm flimmern.
"Aufhören, wenn's am besten ist", hieß die Losung von Schmidt-Erfinder Corny
Littmann. Doch seine Show war in Wirklichkeit schon lange schal. Littmann
alias Schmidt mutierte zusehends zum selbstdarstellungsgeilen NDR-Napoleon,
Lilo Wanders, alias Ernie Reinhard, zur Langzeitinsassin des Berliner Café
Kranzler; Marlene Jaschke, alias Jutta Wübbe, flattert mittlerweile nicht nur
Waltraud, sondern auch ihr Witz weg. Das Publikum im Tivoli- Theater auf der
Hamburger Reeperbahn wurde mit sinkendem Niveau sichtlich stinknormaler, und
aus der subversiven Homo- Show letztlich eine öffentlich- rechtliche Zote auf
Ferienclub- Niveau. Da hätte nur noch gefehlt, daß der Bayerische Rundfunk
die Sendung nicht länger boykottiert.
Die Zweieinhalb-Stunden- Abschiedsshow war eine bezeichnende Huldigung an das
Fernsehen, das die Schmidts großgemacht hat: Die blonde Regisseurin Geli
Fuchs durfte sich endlich einmal zeigen, und die Kamera-Männer mochten einen
Cancan tanzen. "Wir spielen, wie das Fernsehen es erlaubt", sang Corny
Littmann - und es war leider nur allzu wahr.
Dabei war es einmal anders: Man erinnere sich nur an die legendäre Show aus
dem Scharbeutzer Badeparadies, an die ergreifende Aussprache zwischen
originalen Hausfrauen und echten Homos in der Badewanne ("Könnte euch eine
wie Claudia Schiffer vielleicht doch noch umstimmen?") oder an den legendären
T-Shirt-Skandal: Der WDR blies zur Zensur, als Littmann in der Sendung vom
Juni letzten Jahres auf seinem Hemd das Aidshilfe-Bild zweier junger Männer
beim Oralverkehr präsentierte (Text: "Blasen O.K. - raus, bevor's kommt").
Schwänze waren damals nicht zu sehen - aber so schlaff wie in der
Abschiedsshow vom Samstag waren sie bestimmt nicht. Marc Fest