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T910508.175 TAZ-BERLIN Nr. 3400 Seite 22 vom 08.05.1991
45 Zeilen von TAZ-Bericht marc fest
»Ausländer raus« und »Come Together«
»Ausländer raus« und »Come Together«
Ostberliner Kinder malen den Westen, wie sie ihn sehen/ Ein Projekt
gegen Ausländerfeindlichkeit
Mitte. Mercedessterne, Hakenkreuze und Bananen - Ostberliner
Kinderimpressionen zu Themen wie »Mein erster Tag in West-Berlin« oder »Was
jetzt zu Hause anders ist«. Seit gestern hängen die Werke von über 300
Ostberliner SchülerInnen zwischen 8 und 15 Jahren im Bezirksamt Berlin-Mitte.
Titel der Ausstellung: »Kulturschock - Lebensraum Berlin«.
»Viele DDR-Deutsche fühlen sich im neuen Deutschland als Ausländer.« Kinder,
»als schwächste Glieder in der Gesellschaft«, litten darunter am stärksten:
Für Christine Bartels, Ausländerbeauftragte von Mitte, teilen AusländerInnen
und Ossis, und unter ihnen besonders die Kinder, ein gemeinsames Los. »Eine
schöne Parallele«, findet auch der Berliner Maler und Bildhauer »Herr Adam«,
der das Malprojekt gemeinsam mit dem Ostberliner multikulturellen Verein
S.U.S.I. ins Leben rief. Die neue Situation mache die Kinder in der EX-DDR
für die Ausländerproblematik besonders zugänglich. Im SED-Staat sei das Thema
tabuisiert worden.
Prostituierte auf dem Strich zeigen zwei Achtkläßler auf ihrer Collage. Ein
neunjähriges Mädchen präsentiert in einer altarähnlichen Pyramide die
Reliquien seiner Ost-Vergangenheit: Von DDR-Deo über sozialistische
Zündholzschachteln bis zum FDJ-Ausweis. »Berlin, eine Stadt für Deutsche«
klebt zusammen mit Hakenkreuzen auf dem Mauerbild eines 14jährigen Jungen.
Christine Bartels, deren Behörde das Malprojekt mit 8.000 Mark unterstützt,
wünscht sich eine Fortsetzung. Nur langfristig, meint auch Adam, könnten die
Kinder für die Probleme von Ausländern sensibilisiert werden. Barbara John,
Gesamtberliner Ausländerbeauftragte, versprach weitere Unterstützung. Die
jungen KünstlerInnen durften bei der Eröffnung ihrer Ausstellung übrigens
nicht dabeisein. Schade. Marc Fest
»Kulturschock - Lebensraum Berlin«:
bis 31. Mai werktags von 8 bis 16 Uhr, Bezirksamt Mitte im
Berolina-Haus am Alex und in den Räumen der Ausländerbeauftragten, Potsdamer
Straße 64. Eintritt frei.