Copyright © contrapress media GmbH T911010.201 TAZ-BERLIN Nr. 3530 Seite 28 vom 10.10.1991 43 Zeilen von TAZ-Bericht marc fest

Schwules Nachspiel Schwules Nachspiel

Polizisten verprügelten Gäste im Café »Anal«

Kreuzberg. Das Wasserwerfer- und Steinhageltheater in SO36 anläßlich der Einheitsfeierlichkeiten hat nun ein schwules Nachspiel. Etwa 30 Beamte der Einheit »E4« waren während der Kiez-Randale in das Schwulen-und-Lesben- »Café Anal« in der Muskauer Straße eingedrungen und hatten dort zwei Männer zusammengeschlagen, einer davon erlitt Kopfverletzungen. Die Café-Betreiber vermuten, die Polizei habe das Anal offensichtlich nicht überfallen, um nach versteckten Steinewerfern zu suchen - denn es seien weder Personalien aufgenommen noch Festnahmen getätigt worden. »Die wollen nur erreichen, daß wir bei der nächsten Straßenschlacht schon im Vorfeld dichtmachen.« Die Beamten hätten sich geweigert, ihre Dienstnummern zu nennen. Der Einsatzleiter habe statt dessen mit einer »Anzeige wegen Unterstützung von Straftaten« gedroht. Das Anal hat inzwischen Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. Der AL-Abgeordnete Wolfgang Wieland will die Prügelaktion der Polizisten im Innenausschuß des Abgeordnetenhauses zur Sprache bringen. Sein Parteikollege Albert Eckert erwägt eine kleine Anfrage im Stadtparlament. Das Anal verlangt vom Schwulen- und Lesbenbeauftragten der Berliner Polizei, Heinz Uth, eine öffentliche Entschuldigung. Uth erklärte, er wolle sich um die Sache kümmern, könne einem förmlichen Verfahren aber nicht vorgreifen. Marc Fest