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T910111.191 TAZ-BERLIN Nr. 3303 Seite 23 vom 11.01.1991
69 Zeilen von TAZ-Bericht marc fest
Sportliches und Sinnliches
Sportliches und Sinnliches
Fotoausstellung der schwul-lesbischen »Gay Games« im kanadischen
Vancouver/ Dokumentation des Sporttreffens im Charlottenburger
Rathaus
Charlottenburg. Eine »sodomitische Invasion« beklagten
fundamentalistische Religionsgruppen letzten August im kanadischen Vancover:
10.000 Lesben und Schwule aus 28 Ländern drängten sich eine Woche lang im
südwestlichsten Zipfel Kanadas, um sich anläßlich der dritten »International
Gay Games« in 27 Sportarten zu messen. Ausgelassene Spielchen bei
gegenseitigem Abseifen in den Duschräumen, interessierte Blicke der
KontrahentInnen in der Schwimmstaffel, nur mühsam unterdrückte Geilheit beim
Turmspringen - mal ehrlich, wessen normal entwickelte schwul-lesbische
Phantasie bliebe von solchen Assoziationen frei?
Eine kleine Fotoausstellung im Charlottenburger Rathaus bringt es nun an den
Tag. 15 Schautafeln mit vielen Fotos, Zeitungsausschnitte und Souvenirs
zeigen, daß es nicht nur um die sexuelle Orientierung als solche, sondern vor
allem um die Lust am Sport und das Einanderkennenlernen ging. Für das
130köpfige Berliner Team interessierten sich SportlerInnen in Vancouver
aufgrund des Einheitsrummels natürlich ganz besonders. Ebenfalls ausgestellt:
ein Teil der dabei erbeuteten Sport-Shirts von Teams aus aller Herren und
Damen Länder.
Mit der Ausstellung sollen die Gay Games einer breiteren Öffentlichkeit
bekannt werden. Die OrganisatorInnen, drei Lesben und sechs Schwule aus dem
Berliner Team, planen außerdem den Aufbau einer Gay-Games-Organisation für
Berlin. Wichtigstes Ziel: die Ausrichtung europäischer Gay Games in der Stadt
an der Spree. Bis dahin sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen. So
diskriminierten viele »normale« SportlerInnen immer noch ihre
schwul-lesbischen KollegInnen, haben diese erfahren. Als jüngstes Beispiel
kann die Weigerung des Deutschen Turnerbundes verstanden werden, den Berliner
schwulen Sportverein »Vorspiel« in seinen Verband aufzunehmen.
»Voller Lebensfreude und sehr sinnlich« kommentierte jedenfalls ein Besucher
die Ausstellung im Gästebuch. Ein anderer fand allerdings »keinen Unterschied
zu den sogenannten Normalen«. Marc Fest
Fotoausstellung »Gay Games« noch bis zum 21.1. im Charlottenburger
Rathaus, Otto-Suhr-Allee 100. Vom 24.1. bis zum 7.2. im Haus der Jugend,
Unter den Linden 36-38, 5. Etage, vom 10.2. bis zum 31.3. bei »Begine«,
Potsdamer Straße 139 (nur für Frauen).