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T910418.167 TAZ-BERLIN Nr. 3384 Seite 22 vom 18.04.1991
51 Zeilen von TAZ-Bericht marc fest
Parlamentarier mit »die-in« empfangen
Parlamentarier mit »die-in« empfangen
Aids-Hilfegruppen demonstrierten anläßlich einer Sitzung des
Bundestags-Gesundheitsausschusses
Tiergarten. Aids-Leichen pflasterten gestern morgen den Weg des
Gesundheitsausschusses des Bundestages zu seiner Sitzung im
Reichstagsgebäude. Zahlreiche Berliner Aids- Hilfegruppen und die
Aids-Aktionsgruppen ACT UP empfingen die 27 Abgeordneten zum Schrecken der
Sicherheitsbeamten mit einer unangemeldeten Protest-Performance,
Transparenten und Flugblättern.
In einer Resolution forderten die Demonstranten vor allem die Verlängerung
der Bundesmodellprogramme, die seit 1987 bundesweit die ambulante Pflege von
Aidskranken finanzieren. Enden die Programme wie geplant im kommenden
Oktober, erwarten die Berliner Pflegehilfen wie HIV e.V., ad hoc e.V., aber
auch das Wohnprojekt ZiK den finanziellen Kollaps. »Wir sind jetzt schon mit
18 Kranken hoffnungslos überlastet. Pflegebedürftige müssen warten, bis
Plätze freigestorben sind«, berichtet Achim Weber von HIV e.V: Das
Bundesgesundheitsamt rechnet bis zum Jahresende mit 1.000 Berliner
Aids-Patienten. Bundesweit werden 200 ambulante Pflegestellen ohne die
Modellprogramme ersatzlos wegfallen. »Die Aids-Kranken werden dann auf
Parkbänken und in den Läusepensionen verrecken«, befürchtet Reinald Purmann
vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband.
Auch die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) erhält 1991 mit 6,3 Millionen Mark eine
halbe Million weniger als im Vorjahr - trotz steigender Krankenzahlen. Für
die Prävention in den neuen Bundesländern gab es für die DAH nur 400.000
Mark. Sabine Bergmann-Pohl (CDU), Staatssekretärin im Gesundheitsministerium,
entschuldigte sich: »Wir würden gerne mehr geben, aber alles ist vom
Haushaltsausschuß abhängig.« Auf den warteten auch schon die ACT UP-Gruppen:
in Bonn. Marc Fest