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T910919.147 TAZ-BERLIN Nr. 3513 Seite 21 vom 19.09.1991
84 Zeilen von Interview marc fest
»Die dritte Olympiade ist zuviel«
»Die dritte Olympiade ist zuviel«
Was internationale Journalisten zu Olympia in Berlin meinen/
Moskau-Bär war sympathischer
Mitte. »Olympia 2000« in Berlin - ja oder nein? Die taz befragte
internationale Journalisten am Rande der IOC-Konferenz:
Bruce Baskett, 'News Limited`, Australien: »Nur einmal in der
olympischen Geschichte fanden die Spiele in der südlichen Hemisphäre statt.
Das war 1956 in Melbourne. Ansonsten wechselten die Austragungsorte ständig
zwischen Amerika und Europa. Die halbe Welt bleibt dabei außen vor. Ich als
Australier plädiere natürlich für Sidney.«
Nicole Martiche, 'afp`, Frankreich: »Der Pariser Bürgermeister
Jacques Chirac unterstützt die Kandidatur Berlins für den Fall, daß Paris
1998 die Fußballweltmeisterschaft austragen darf. Ich würde mich freuen, wenn
es so kommt. Sidney ist einfach zu weit weg.«
Jaap Visser, 'De Volkskrant`, Niederlande: »Die Spiele würden Berlin
gut tun. Aber falls die Protestbewegung stärker wird, könnte die Wahl auf
eine andere Stadt fallen. Wie damals im Falle von Amsterdam, das sich für die
Olympiade von 1992 beworben hatte. Das Ganze war ein Desaster: Holländische
Demonstranten zogen schließlich nach Lausanne, wo die endgültige Entscheidung
gefällt werden sollte. Dort kam es dann zu Ausschreitungen. Kein Wunder, daß
sich das IOC darauf lieber für Barcelona entschieden hat.«
Reet Truut, Journalistin, Estland: »Gerade die baltischen Republiken
würden sich über eine Olympiade in Berlin besonders freuen. Denn als
unabhängige Staaten haben wir zuletzt im Jahr 1936 teilgenommen.«
Konstantin Sawwin, 'Tass`, UdSSR: »Ich würde eine Olympiade in
Berlin begrüßen. Berlin sollte eine Brückenfunktion zwischen Ost und West
wahrnehmen. Bei den olympischen Spielen von 1980 in Moskau gab es übrigens
schon einmal einen Bären als Olympia-Maskottchen. Der hieß Mischa und wirkte
sehr viel sympathischer als der jetzige Berliner Olympia-Bär.«
Hiroshi Takeuchi, 'Kyodo News Service`, Japan: »Olympia 2000 in
Berlin ist einfach viel zuviel. Nach 1936 in Berlin und 1972 in München wäre
das die dritte deutsche Olympiade in 64 Jahren. Außerdem finde ich nicht gut,
daß Berlin schon so früh mit seiner Werbekampagne startet.«
Luis Mauri, 'El Pais`, Spanien: »Die Olympischen Spiele in Berlin -
warum nicht? Die öffentlichen Proteste gegen die Bewerbung könnten sich
natürlich noch negativ auswirken. Die Berlin-Olympiade von 1936 unter den
Nazis ist Vergangenheit.«
Dezdo Vad, 'Nemzeti Sport`, Ungarn: »Das wäre eine schöne Sache.
Weil Berlin nicht allzu weit von Ungarn entfernt ist, könnten viele Ungarn zu
den Spielen kommen, um ihre Sportler zu unterstützen. Den jetzigen Protesten
gegen die Spiele kommt in meinen Augen keine Bedeutung zu, die habe ich
bisher bei jeder IOC-Konferenz erlebt. Das gehört zur Demokratie. Das Logo
hier (zeigt auf den Bär) finde ich viel zu abstrakt. Was soll das eigentlich
darstellen?« Marc Fest