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T951223.186 TAZ Nr. 4807 Seite 32 vom 23.12.1995
57 Zeilen von TAZ-Bericht Marc Fest
Keine schwulen Weihnachtsmänner in Key West
Keine schwulen Weihnachtsmänner in Key West
Key West (taz) - "Auf dieser Insel kann jeder das sein, was er
will", schwärmt Tracey, Friseuse in Key West's "Hotcuts" Friseursalon. Doch
die Idylle auf dem US-Eiland, dessen Bevölkerung zu 25 Prozent aus Schwulen
und Lesben besteht, trügt. Die religiöse Rechte geht auch auf dem südlichsten
Zipfel des Kontinents in die Offensive: Mitglieder der vorwiegend schwulen
"Metropolitan Community Church" sind auf der diesjährigen Weihnachtsparade
unerwünscht.
Für die Ablehnung der 120 Homo-Schäfchen der "Metropolitan Community" ist
Gary Redwine verantwortlich. Der Chef einer Baptistengemeinde auf der
Nachbarinsel Big Coppit Key und ist oberster Organisator der
Weihnachtsparade. Sein verquere Begründung: "Wir hassen die Schwulen nicht.
Wir können lediglich den homosexuellen Lebensstil nicht gutheißen."
Derlei Nächstenliebe sorgt für Aufruhr auf einer Insel, deren Einwohner vor
mehr als zehn Jahren einen der ersten offen schwulen US-Bürgermeister
wählten. "Das kommt total überraschend", so Dennis Beaver, Präsident der
örtlichen "Business Guild", eines vorwiegend schwulen Wirtschaftsverbandes.
"Und dabei haben wir bereits einen so schönen Umzugswagen fertig", klagt
Reverend Steven Torrence, Pastor der 120 schwulen Seelen.
Key Wests Bürgermeister Dennis Wardlow schlägt sich auf die Seite der
Diskriminierten: "Ich halte das Verbot für heuchlerisch. Key West ist ein
sehr toleranter Ort. Wir alle sind Gottes Kinder - das ist es, was in der
Bibel steht." Um sich symbolisch mit den Schwulen zu solidarisieren, will Key
Wests Kommunalverwaltung den Organisatoren der Weihnachtsparade - anders als
in den vergangenen Jahren - erstmals die Kosten für die Müllbeseitigung nach
dem Weihnachtsmarsch aufs Auge drücken: exakt 1.200 Dollar. Happy Christmas!
Marc Fest