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T900727.194 TAZ-BERLIN Nr. 3168 Seite 23 vom 27.07.1990
45 Zeilen von TAZ-Bericht marc fest
Rettungsaktion für die letzten Mauerreste
Rettungsaktion für die letzten Mauerreste
Der Verein "Aktives Museum" mahnte die Mauerspechte zur
Hammerabstinenz am "historischen Denkmal"
Kreuzberg. "Die Mauer ist ein historisches Denkmal, kein Steinbruch",
appellierten gestern Mitglieder des Vereins "Aktives Museum" in einer
Plakataktion an meißelnde Touristen und Mauerverkäufer. Nachdem man sich in
Ost und West politisch allgemein darüber einig ist, daß die Mauer hinter dem
Martin-Gropius-Bau und entlang des ehemaligen Gestapo-Geländes zwischen
Niederkirchner- und Wilhelmstraße in Kreuzberg stehen bleiben soll, engagiert
sich der Verein schon seit längerem vergeblich dafür, daß sie auch
tatsächlich erhalten bleibt und nicht unter den Hämmern der Mauerspechte doch
noch fällt. "Die Gestapo-Ruinen und die Mauer sollten hier in dieser engen
Konstellation als Mahnmal erhalten bleiben", meint Günter Koziol vom "Aktiven
Museum". Das Ensemble am ehemaligen Prinz-Albrecht-Palais zeige den
ursächlichen Zusammenhang zwischen Nationalsozialismus und Nachkriegszeit.
Deshalb fordert der Verein von Senat und Magistrat, dem touristischen
Mauerraubbau an dieser Stelle Einhalt zu gebieten. Der Schwierigkeit, um "die
Mauer eine Mauer zu ziehen", ist sich Koziol dabei bewußt. Als Alternative
schlägt er deshalb das Aufstellen von Informationsschildern vor. Die meisten
Touristen zeigten sich gestern einsichtig. "Ich halte das für eine gute
Idee", meinte beispielsweise ein Amerikaner, hörte auf zu meißeln und fragte:
"Wo können wir uns denn sonst noch einen Stein holen?" Weniger begeistert
waren dagegen die zahlreichen Mauerhändler, die oftmals auch das nötige
Werkzeug vermieten. Ein Verkäufer meinte: "Die Mauer muß überall weg, und
damit basta!"
Marc Fest